Künstlerhaus Bremen

Thomas Behling


# 01 // Gloria I/III

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2008
Lack, Blei auf Hartfaserplatte, Rahmen
62 x 50 cm



"Umrahmt, gefasst und abgegrenzt."

Rahmen-Programm zwischen Imagination und Umgrenzung



Bilderrahmen, deren ursprüngliche Funktion im Schutz der Bilder und deren Präsentation besteht, erfahren bei Thomas Behling besondere Aufmerksamkeit. Der Künstler betrachtet sie keineswegs als rein verschönernde Zutat, sondern als gleichwertigen Teil der Objektgestaltung und agiert im Sinne des mittelalterlichen Altarretabels, indem seine Werke und ihre Rahmungen untrennbar zusammengehören. Behling arbeitet sowohl mit prunkvollen, üppig profilierten Rahmen, als auch mit schlichten, schmalen Leisten, die das Bildfeld einfassen. Sie bilden zugleich den Ordnungs- und Bezugsrahmen aller Bildelemente sowie den Handlungsrahmen der agierenden Figuren – eine Art Fenster in seine Bildwelt.

Die von ihm verwandten Rahmen zeigen Spuren – Farbabplatzungen, Fehlstellen, Flecken oder Risse. Sie verweisen auf Gebrauch und Geschichte vergangener Tage. Melancholie liegt über diesen objets trouvés, die einmal wertgeschätzt wurden und Wohnräume zierten, die mit der Zeit an Bedeutung verloren und in Vergessenheit gerieten, um schließlich auf dem Flohmarkt zu landen, dem Platz entthronter Erinnerungen. Behling entreißt sie dem Vergessen. Entdeckt und neu bewertet, erfahren sie eine Metamorphose als Objekte seiner Kunst. Indem er die statuarisch fixe Situation oft jahrzehntelanger Zusammenhänge lockert, beendet Thomas Behling ihren Dornröschenschlaf. Er wechselt Inhalte, verändert Motive, leert den Rahmen.

Goldgerahmt und auf Blickhöhe erhoben, erfahren Bilder im Allgemeinen eine gesteigerte Wertschätzung. Auch mittels Verglasung oder stellenweise der Verwendung von Titelschildern am Bildrand bedient sich Behling bekannter Reminiszenzen musealer Präsentation. Doch seine Scheiben, die er bewusst nicht vom Staub der Zeit befreit, treten weniger zurückhaltend in Erscheinung. Im Gegenteil, gerade die somit wahrnehmbaren Innenseiten der eigentlich durchscheinenden Gläser bilden deutlich trennende Ebenen und lenken den Blick in den Rahmenzwischenraum als Ort des Bildgeschehens. Der Künstler spielt mit dem Vitrinenaspekt von Rahmen und der gegenläufigen Spannung zwischen Präsentation und Abtrennung. Seine Bilder erlangen eine eigene Präsenz im Raum, sie werden zu Anschauungsobjekten. Ihre Rahmen bündeln die Aufmerksamkeit des Betrachters und gewähren ihm Einblicke, gleichzeitig verhindert die Verglasung den direkten Kontakt und das Kunstwerk entzieht sich. Auch im schützenden und bewahrenden Sinne sind Behlings Rahmungen einer Vitrine vergleichbar, obwohl ihre bewusst belassenen Alterungsspuren dem zu widersprechen scheinen. Ist zusätzlich eine Scheibe gesprungen, wie in „o. T.“ (2005) verweist diese in ihrer Zerbrechlichkeit gleichsam auf die Fragilität des menschlichen Daseins und darauf, dass ebenso Bewahrendes wie Bewahrtes mit der Zeit zerfallen.

Rahmungen bilden das inspirierende Material von Behlings Werken. Oft führen sie ihn zur Bildidee. Der Künstler verwendet sowohl Abbildungen samt ihrer ursprünglichen Einfassung als auch solitäre Rahmen. Vergrößert Behling im Zuge seiner Arbeit ein Bildformat, sucht er einen passenden alten Rahmen oder gestaltet einen „neuen“. Dazu lässt er Holz und Papier künstlich altern, indem er Maserung oder Stockflecken ergänzt. Um den Eindruck historischer Authentizität zu wahren, der wie eine Patina auf dem Material liegt, erfolgen seine künstlerischen Eingriffe meist nahezu unsichtbar. Er schleicht sich in die Bilder, übernimmt bestehende Hintergründe, komponiert Figuren hinzu oder setzt Silhouetten ein, die Teile des Bildes verdecken und dadurch Sinnebenen verschlüsseln. Obwohl er eine ungebrochene Einheit von Bild und Rahmen imaginiert, stört Thomas Behling gleichzeitig die erreichte Harmonie und thematisiert den Schein. Da wartet in lauer Sommernacht mit idyllisch funkelndem Sternenhimmel die Einsamkeit, oder auf einer romantischen Bank unter dem Blätterdach eines schützenden Baumes lauert Bedrohung. Gerade die Verwendung alter Rahmen bewirkt eine bewusste Verzögerung im Betrachten und Realisieren seiner verfremdeten Bildaussagen.

Häufig erweitert Thomas Behling durch Versetzen der Rückwand den Abstand zur Scheibe und erreicht damit Werke, die in Tiefe und Diorama-Charakter an Heiligenschreine erinnern. Klein, schön und umgeben von der Aura des Vergänglichen wirken sie zudem wie private Andachtsbilder. Bei Behling findet das Thema in einer vermeintlich entgötterten und unbeständigen Welt künstlerische Erneuerung. Beobachtend, wie Menschen im Glauben Halt finden, thematisiert er gerade anhand des umrahmten Kunstraums die Differenz zwischen Imaginärem und haptisch Realem. Immaterielles darzustellen und in erfahrbare Sphären zu transportieren, beinhaltet wiederum auch, ihm eine Basis zu schaffen. Hier treffen Entgrenzung der Imagination und Begrenzung des Bildfeldes aufeinander.

Um neue visuelle und akustische Effekte auszulösen, baut der Künstler außerdem Lichter oder Geräusche in einige seine Werke ein. Zusätzlich verwendet er, wie in „o. T.“ (2005), glitzernd-schillernde Folien, deren Erscheinung sich mit dem Tageslicht verändert. Auch die „Ganzkörperrüstung mit Sprechloch“ (2005) irritiert durch verzerrte Spiegelungen. Hier ist das metallisch reflektierende Bildobjekt direkt auf der Rahmenrückwand angebracht – einer Fläche, die normalerweise nicht in Erscheinung tritt. Bei Behling wird sie zum nuancenreich changierenden Bildhintergrund und technische, ehemals rein funktionale Details, wie die Nieten des Bildaufstellers, erhalten Bedeutung als formale Elemente der Komposition.

Größere Werke fasst Thomas Behling in üppige Rahmen ein, die formal wie stilistisch mit den Bildinhalten korrespondieren. So besitzt beispielsweise „Gott segne Eure Liebe“ (2007) eine Umrahmung mit stilisierten Blattornamenten, die das Buschwerk der Szenerie wiederholen. Auch die goldene Rahmenfarbe leuchtet an polierten Stellen wie die Sterne im Hintergrund des Gemäldes. In „der kleine Junge hat Angst vorm Schwarzen Mann“ (2007) wiederum entspricht der Bilderrahmen dem neoklassischen Engelmotiv. Obwohl er nachträglich angefertigt wurde, bewahrt er die Strenge und Schlichtheit des Originals. Schließlich besitzt der „Schwellenmann“ (2008) einen schweren Wellenrahmen, dessen Formation sich ebenfalls im Bild finden lässt, wo Nebel die Landschaft stellenweise verhüllt und ein der Rahmung vergleichbares, welliges Aufscheinen von klaren Formen und Schemen ergibt.

Die meisten Farbkorrelationen zwischen Rahmen und ihren künstlerischen Inhalten erreicht Thomas Behling durch die Verwendung von Gold. In „Heiligenschrein“ I (2005) entspricht zunächst die helle Umrisslinie des Heiligen der zarten Goldleiste des Rahmens. Sie wird farblich im Nimbus aufgegriffen, während die zweite Figur dem dunklen Rahmenkorpus entspricht. Häufig verbindet Behling durch Farbwiederholung die Komposition zu einem Ganzen. Auch in „Gloria I/III“ (2008) erscheint der verhältnismäßig dicke schwarze Rahmen wie ein auf die Heiligensilhouette ausgerichteter Farbfokus und unterstreicht die beengte Wirkung des Bildes.

Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Verschränkung von Rahmung und Malerei in „das Mädchen und der Schwarze Mann“ (2006), wo die männliche Gestalt des ungleichen Paares nur an den Händen menschliche Züge erkennen läßt. Überraschend vollzieht sich am linken Arm der Figur ein kontrastierender Farbverlauf vom bedrohlich unbestimmten Dunkel zur detailreicher gestalteten, hellen Hand – ein Farbverlauf, den ebenso der Rahmen nachvollzieht, dessen abblätternde schwarze Farbe mehrfach den Blick auf einen hell grundierten Holzuntergrund freigibt.

Außergewöhnliche Vielfarbigkeit umgibt das „Heiligenbild IV“ (2005), dessen Rahmen unzählige Kunstblumen bilden. Sie umfassen einen schemenhaft dargestellten Heiligen und bilden eine weiche, plastische Einfassung, die stark mit der monochromen Bildfläche kontrastiert. Die höchste Steigerung des Rahmenthemas erfährt schließlich Behlings Werk „o.T.“ (2006) – eine Art Blendrahmen ohne Inhalt. Indem der Künstler eine Urkunde entfernte, fehlt nunmehr der ursprüngliche Bildgegenstand. Obwohl das Blatt zusätzlich einen Klipprahmen besitzt, tritt dieser gegenüber der bildinternen Rahmung deutlich zurück. Diese entpuppt sich bald als Trugbild, das dennoch seinen Rahmen zu sprengen vermag. Die befremdliche Lücke im Zentrum des Objektes ist den zahlreichen Fehlstellen und Auskratzungen anderer Werke von Thomas Behling vergleichbar. Sie fordert zum Nachdenken über vorgegebene, bestehende Rahmen auf und kann, wie häufig im Oeuvre des Künstlers, als Sinnbild für Vergänglichkeit und verlorene Erinnerung verstanden werden. Anhand der Alterungsspuren von Papier, Silber und Glas sowie dem Rost der rahmenden Elemente kommt dies zusätzlich zum Ausdruck.

Indem Behlings Bildgeschehen meist in kleinen, überschaubaren Rahmungen stattfindet, bewegt sich der Künstler zunächst „im gewohnten Rahmen“. Auch die von ihm verwandten Bildinhalte scheinen zunächst „im Rahmen der allgemeinen Konvention“ zu bleiben, seine künstlerischen Eingriffe konterkarieren dies jedoch mittels Abweichungen und Verfremdungen. Somit hält der Künstler im übertragenen Sinne der Gesellschaft einen Spiegelrahmen vor. Auch der silberne bildinterne Rahmen von o.T. (2006) verleiht dem Objekt repräsentatives Gepräge. Er gibt Erwartungen vor und ist dennoch leer. Die Einfassung allein bildet das programmatische, künstlerische Gesamtkonzept. Ein Wechselrahmen, der fest gefügt und beständig wirkt, obwohl er sehr leicht verändert werden kann, wird zur Metapher der Schnelllebigkeit unserer Zeit.

Corona Unger

Erschienen in „Wenn Du noch Mut hast, so danke Gott und sei zufrieden“, 2008

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"Ich bin schlecht, aber ich wäre noch viel schlechter, wenn ich nicht wüsste, dass ich schlecht bin"

Ein Besuch bei Thomas Behling


Wie aus der „guten alten Zeit“ unserer Groß- und Urgroßeltern stammend, muten manche Motive an, die Thomas Behling in den letzten Jahren geschaffen hat und die er während unseres Ateliergesprächs nach und nach aus einem Bananenkarton holt. Hinter verstaubten, gelegentlich stumpfen Glasscheiben, eingefasst von alten Rahmen, sehe ich Motive aus dem „Damals“, in dem – so pflegt man zu sagen – alles viel besser gewesen sei. Eine genauere Ansicht der betreffenden Bilder erweckt jedoch Zweifel, denn die Idylle weist subtile Brüche auf. Behling spielt mit der anheimelnden Stimmung und dem hohen Wiedererkennungswert alter Bilder, verändert diese jedoch auf irritierende Weise.

Tatsächlich stammen viele vom Künstler benutzte Materialien von Flohmärkten und so stellt sich bei der Betrachtung das Gefühl ein, als wäre man auf einen Bilderfundus gestoßen, der vor langer Zeit einmal eine Wohnstube verziert haben könnte. Thomas Behling belebt vergilbte Fotos, alte Drucke oder Andachtsbilder, indem er künstlerische Eingriffe an ihnen vornimmt und sie zu seinem künstlerischen Material macht. Der nicht zu leugnenden Aura dieser gealterten Bilder steht das jugendlich-verschmitzte Lächeln des Künstlers gegenüber, der 1979 in Hannover geboren wurde und vor zwei Jahren seinen Meisterschülerabschluss an der Hochschule der Künste in Bremen gemacht hat.

Eine der betreffenden Arbeiten aus dem Jahr 2008 hat den Titel „Christus anklopfend“. Das Motiv, das den überraschend an der Haustür erscheinenden Christus zeigt, war im vorletzten Jahrhundert ausgesprochen beliebt und als Druck stark verbreitet. Zwar handelt es sich bei Behlings Arbeit tatsächlich um einen alten Druck vom Trödelmarkt und der dargestellte Christus erscheint, wie auf entsprechenden Drucken üblich, mit Hirtenstab im weißen Gewand bei Mondenschein an einer Haustür, aber durch Behlings künstlerischen Eingriff verwandelt sich das Motiv in eine befremdliche Szenerie. Mit Schmirgelpapier wurde behutsam der Rumpf der Christus-Figur vom Papier gerieben und auf diesem Wege eine Art Leerstelle auf dem Papier erzeugt; lediglich der Kopf, die klopfende Hand und die Füße sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Die so entstandene Aussparung hat den Effekt, dass Christus wie eingesponnen in einen Kokon erscheint und damit der Szene ein irritierender Charakter verliehen wird. Überraschend ist nun nicht mehr, dass Christus an der Haustür, sondern wie er dort erscheint.

Anekdoten vom Trödelmarkt oder kleine Geschichten aus dem Atelieralltag bereichern unser Gespräch, werden jedoch immer wieder von Behlings Reflexionen über den Charakter seiner Arbeit oder auch durch Hinweise auf seine kunstgeschichtlichen Bezugspersonen abgelöst. Aber auch ohne die Erläuterungen des Künstlers vermittelt sich die ironische Brechung seiner Arbeiten. Das in diesem Jahr entstandene „Erscheinungswölkchen“ (2008) etwa spielt unmissverständlich auf die Landschaftsmalerei des Romantikers Caspar David Friedrich an. Die vor einer dezenten Abendröte in den Bildraum ragenden Nadelbäume erinnern an diverse Gemälde des Dresdners, dessen Landschaftsgemälde als Ausdruck von Naturfrömmigkeit gedeutet werden und in denen die religiösen Empfindungen des Malers vor und in der Natur nachvollziehbar werden. Ist bei Friedrich die Landschaft also ein Ort besonderer Erfahrungen, so werden wir in Thomas Behlings Bild Augenzeugen eines „Erscheinungswölkchens“ am Himmel. In einer eigentümlichen Nähe zu vergleichbaren Motiven der Malereigeschichte, zu Comic-Zeichnungen, aber auch in Korrespondenz mit dem „wolkigen“ Kokon des anklopfenden Christus schafft es Behling, die von ihm benannte Ambivalenz von Erhabenheit und Lächerlichkeit ins Bild setzen.

In anderen Arbeiten bezieht sich Thomas Behling auf ein künstlerisches Verfahren, das beispielsweise Marcel Duchamp praktiziert hat: die Übermalung von Bildvorlagen und die daraus resultierende Möglichkeit, deren eigentlichen Charakter durch den vollzogenen Eingriff zu verändern. 1919 hatte Duchamp einen Chromdruck mit dem Motiv der Mona Lisa in der Weise verändert, dass er das lächelnde Gesicht um „Schnauz und Bärtchen“ (Duchamp) ergänzte und somit das berühmte Gesicht der Gioconda in ein Männergesicht verwandelte. Auch Max Ernst hat zeitgleich Bildmotive umdefiniert, als er auf der Grundlage einer Seite eines Lehrmittel-Katalogs das Bild „Das Schlafzimmer des Meisters“ schuf.

Thomas Behlings „im Paradies“ von 2005 ist auf der Grundlage eines sog. Lichteffektdrucks entstanden. Dieser zeigt einen unter rankendem Blattwerk am Flussufer stehenden Reiher inmitten einer idyllischen Landschaft. Durch das Hinzufügen einer kauernden menschlichen Figur wird das Motiv in eine unerwartete Begegnung zwischen Mensch und Tier gewendet. Was als Paradiesvorstellung eigentlich deren selbstverständliche und ungezwungene Begegnung schildern müsste, wird so zu einer Begegnung zweier unbekannter Arten.

Beim Betrachten seiner Bilder schmunzelt Thomas Behling. Ihn interessiere, so erzählt er mir, der schmale Grad zwischen dem Erhabenen und dem Lächerlichen. Keineswegs wolle er Themen wie Religion, Spiritualität oder das Verhältnis des Menschen zur Natur ins Lächerliche ziehen. Im Gegenteil. Behlings Arbeit ist der Versuch, verschiedene Bereiche der menschlichen Existenz zu thematisieren, ohne dabei eine Sprache zu sprechen, die ihm verbraucht erscheint und ohne dabei in ein Pathos zu verfallen. Wie gut ihm dies gelingt, zeigt die Arbeit „der kleine Junge hat Angst vorm Schwarzen Mann“ von 2007, die er, wie er geheimnisvoll ankündigt, erst anstellen müsse.

Hier wurde zunächst eine Bildvorlage, die ohne weiteres kitschig genannt werden kann, motivisch abgeändert. Ursprünglich zeigt das Bild einen kleinen, verängstigt blickenden Jungen an der Seite seiner etwas größeren Schwester, der auf seinem Nachhauseweg nur noch einen wenig vertrauenserregenden Holzsteg zu überqueren hat, um sich vor einem Unwetter in Sicherheit zu bringen. Hinter den beiden breitet, von den Kindern ungesehen, ein Engel schützend seine Arme aus. Thomas Behling hat das Motiv nicht nur dadurch verändert, dass er einen „Schwarzen Mann“ mit drohender Pose ins Bild malte, sondern darüber hinaus eine technische Vorrichtung geschaffen hat, die – hinter das Bild montiert – sowohl „echte“ Blitze aufleuchten, wie auch den dazugehörigen Donner erklingen lässt. Die im Kinderreim gestellte Frage „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ findet hier in der Vermischung von Erbauungsbild und King-Kong-Figur eine höchst eigenwillige Antwort.

Zwischen Nostalgie, Kitsch und – wie beim letzten Bildbeispiel – „bad taste“, aber auch den Vorbildern der Kunstgeschichte spielt sich die Arbeit des Künstlers Thomas Behling ab. Auch wenn er gelegentlich ein geradezu akademisch zu nennendes Potential als Maler verrät (siehe „Schwellenmann“ von 2008), sind es die reduzierten künstlerischen Mittel, die Reize der zahlreichen kleinen, unscheinbaren Formate und der geistreiche Hintersinn, die zu überzeugen vermögen.

Detlef Stein

Erschienen in „Wenn Du noch Mut hast, so danke Gott und sei zufrieden.“, 2008