Künstlerhaus Bremen

Bremer Freiheit


Pressemeldung

KÜNSTLERHAUS BREMEN
Pressemeldung
Einladung zum Pressegespräch
am Freitag, den 24. Juni um 11:00 Uhr

Bremer Freiheit
Ralf Berger, Mathilde ter Heijne, Olaf Nicolai, Thomas Rentmeister, Gregor Schneider, Clemens von Wedemeyer
25. Juni – 2. Oktober 2005
Eröffnung: Freitag, den 24. Juni um 19:30 Uhr

Ich habe dich davor bewahren wollen, das Leben, das du führst, noch weiter führen zu müssen.

Geesche Gottfried, Bremer Freiheit (1971) von R.W. Fassbinder

1971 schrieb Rainer Werner Fassbinder sein Bürgerliches Trauerspiel Bremer Freiheit über die Serienmörderin Geesche Gottfried. Auf ihren ersten Giftmord aus Notwehr folgt einer aus Liebe, dann einer aus Verzweiflung, und schließlich der Mord, der die Befreiung von erstickender Bevormundung bringen soll und doch nur zu weiteren fatalen Anmaßungen über Leben und Tod führte. Den ihr bevorstehenden Tod nimmt sie gelassen hin, er hat seinen Schrecken verloren, ist längst zu ihrem Verbündeten geworden. Die Figur der Geesche Gottfried und ihre Motive faszinieren über Jahrhunderte. Noch heute wird auf den Granitstein im Bremer Domshof, der Geesche Gottfrieds Hinrichtung dokumentiert, gespuckt. War die berüchtigte Giftmörderin eine Terroristin im Kampf gegen Fremdbestimmung, gegen den biedermeierlichen Mief, der ihre Unterdrückung christlich-paternalistisch verkleidete? Mit anderen Worten: war sie Gesina die Teufelsbraut, wie sie in dem gleichnamigen, 1829 unter dem Pseudonym Weißenberg der Aeltere verfassten Theaterstück genannt wurde?

Die Ausstellung Bremer Freiheit zeigt Arbeiten zu Formen der Gewaltausübung und den Konstellationen, in denen diese gedeihen können. So beschreibt Mathilde ter Heijnes Arbeit Suicide Bomb die Beweggründe von Selbstmordattentäterinnen, deren Motive denen von Geesche Gottfried verwandt sind. Ralf Bergers Arbeit Kleines Miststück lässt den an die Wand gespuckten Speichel des Betrachters in Sekunden gefrieren. Clemens von Wedemeyers Adaption des Laurel & Hardy Klassikers Big Buisness (USA 1929) filtert den Slapstick heraus und hinterlässt die Aufzeichnung einer unaufhaltsamem Zerstörung, deren Brutalität sich durch die Langsamkeit und Systematik der Inszenierung verschärft. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten von Ralf Berger, Mathilde ter Heijne, Olaf Nicolai, Thomas Rentmeister, Gregor Schneider und Clemens von Wedemeyer fordern dazu auf, Fassbinders Stück Bremer Freiheit neu zu denken.

  • Ralf Berger // *1961 in Düsseldorf, lebt in Düsseldorf Kleines Miststück (1995)
  • Mathilde ter Heijne // *1969 in Straßburg / Frankreich, lebt in Berlin Suicide Bomb (2000)
  • Olaf Nicolai // *1962 in Halle / Saale, lebt in Berlin Viele, die eine Ahnung haben… (1999)
  • Thomas Rentmeister // *1964 in Reken / Westfalen, lebt in Berlin Ohne Titel (1985 / 2005)
  • Gregor Schneider // *1969 in Rheydt / Mönchengladbach, lebt in Rheydt Aktuelle Neue Arbeit (2005)
  • Clemens von Wedemeyer // *1974 in Göttingen, lebt in Berlin und Leipzig Big Business (2002)

Pressefotos

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