Künstlerhaus Bremen

Das Unerwartete erwarten


Adrian Lohmüller // Kilian Rüthemann // Albrecht Schäfer // Ariel Schlesinger

Eröffnung: 24.2.2012, 19:00 Uhr
25. Februar - 20. Mai 2012

Begrüßung // Welcoming speech:
Waltraut Steimke, Geschäftsführung
Künstlerhaus Bremen
Einführung // Introduction:
Stefanie Böttcher, Künstlerische Leitung
Künstlerhaus Bremen

Öffnungszeiten: Mi - So 14.00 - 19.00 Uhr
Opening hours: Wed - Sun 14.00 - 19.00 hrs
Geschlossen // Closed:
6.4, 8.4.2012

Künstlerhaus Bremen // Am Deich 68/69 // 28199 Bremen 
Tel: 0049.(0)421.508 598 // Fax: 0049.(0)421.508 305
Mail: buero@kuenstlerhausbremen.de 
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flyer

Programm // Programme:
11.04.2012, 19:00 // Spannende Kunst // Vortrag von Ludwig Seyfarth, Kunstkritiker
26.04.2012, 19:00 // No ART around // dilettantin produktionsbüro
10.05.2012, 19:00 // Von (falschen) Versprechungen und (Er-)Lösungen: Überlegungen zur Spannung im Film
// Vortrag von Dr. Eckhard Pabst, Institut für Neuere Deutsche Literatur & Medien, Christian-Albrechts-Universität Kiel

Führungen // Guided tours:
08.03.2012, 19:00 // 22.03.2012, 19:00

  • raumansicht Kilian
  • kilian 1
  • gas loop2
  • albrecht
  • the false self system

Die künstlerischen Werke der Gruppenausstellung Das Unerwartete erwarten zeugen von der Lust des Bildhauers am Experiment, von seiner Freude an der Gefahr. Sie sind von einer Instabilität bestimmt, befinden sich in einem Zustand zwischen Zersetzung und Halt. Auch wenn eine erwartete Zerstörung nicht zwangsläufig eintritt, ist sie als drohende Gefahr angelegt, also zutiefst werkimmanent. Erstarrte Bewegungen, Verfluüchtigung des Materials oder zum Zerbersten gestraffte Oberflächen verursachen eine besondere Spannung. Man könnte vom Suspense in der Skulptur sprechen. Suspense (engl. für „Gespanntheit“) ist ein Begriff aus dem Film. Er leitet sich von lat. suspendere („aufhängen“) ab und bedeutet so viel wie „in Unsicherheit schweben“ hinsichtlich eines befürchteten oder erhofften Ereignisses. Und genau hier beginnen die erwähnten Arbeiten zu vibrieren, hier liegt eine ihrer Faszinationen begruündet: es entsteht eine Spannung aus der angelegten Situation, aus einem Ereignis, das sich zu erfuüllen droht. Wir werden erfasst von der Aussicht auf ein Geschehen, das nicht zwangsläufig eintritt, doch möglich ist. Als Rezipient sehen wir dieses Lauernde bereits vor uns. Aufgeklärt und vorbereitet erkennen wir, was eingetreten ist, eintreten könnte oder wird. Suspense resultiert aus offenen Fragen nach dem Fortgang einer Geschichte. Etwas kündigt sich an und wird doch in der Schwebe gehalten. Ein Spiel mit Erwartungen beginnt, mit Neugier und mit der Hoffnung auf den erlösenden Knall.


The works in the group exhibition Das Unerwartete erwarten (Expecting the Unexpected) testify to the sculptors’ desire to experiment, their delight in danger. These works are unstable in character, hover between disintegration and stasis. And even if an unexpected destruction does not necessarily happen, it is an inherent threat, that is to say, it is immanent in the work. Halted movements, vanishing materials, or surfaces that are taut to the point of bursting give rise to a particular kind of tension. One could speak of suspense in sculpture. Suspense is a term from cinematography. It derives from the Latin suspendere, to hang, and means something like hovering in uncertainty as regards a feared or hoped for event. And it is precisely here that the above-mentioned works start to oscillate; here is the basis of one of their fascinating aspects: tension arises due to a particular situation, an event threatening to come about. We are gripped by the prospect of an event that does not necessarily happen, but could. We recipients see this something lurking right in front of us. Enlightened and prepared, we recognise what has happened, could happen or will happen. Suspense is the result of questions regarding how a story is to proceed being left unanswered. Something is announced, yet is held in abeyance. A game begins with expectations, with curiosity, and with the hope for a redemptive bang.


Spannende Kunst

Vortrag von Ludwig Seyfarth
Mittwoch, 11. April 2012, 19:00 Uhr

Kilian Rüthemann, Never let me down again, 2011,
Metallgestell 55 x 39 x 80 cm, Glasplatte 160 x 100 cm,
Installationsansicht Künstlerhaus Bremen 2012,
Fotografie: Tobias Hübel

 

Im Rahmen der Ausstellung Das Unerwartete erwarten, laden wir Sie herzlich zu einem Vortrag von Ludwig Seyfarth (Autor und Kunstkritiker) am Mittwoch, den 11. April 2012 um 19:00 Uhr ein.

Das Entstehen und Halten von Spannung im Sinne von „suspense“ erwartet man eher von einem Krimi oder Fußballspiel und nicht von der Bildenden Kunst. Die Ausstellung Das Unerwartete erwarten blickt aus zeitlicher Perspektive auf das Phänomen der Spannung und erzeugt eben diese Momente der Ungewissheit. Aber nicht nur die Werke der Ausstellung im Künstlerhaus Bremen spielen auf sehr spannende Weise mit Erwartungen und überraschenden Eingriffen in zeitliche Prozesse!
Anhand ausgewählter Beispiele zeigt Ludwig Seyfarth in seinem Vortrag, wie das Warten und das Unerwartete zum Thema der Kunst werden kann und die daraus erwachsenden Berührungspunkte mit der Kriminologie.

Ludwig Seyfarth lebt als freier Autor und Kurator in Berlin. Er schreibt u. a. für das artist Kunstmagazin, artnet.de, frieze d/e, Konkret, Kunst & Kultur oder die kulturpolitische Zeitschrift der ver.di und publizierte zahlreiche Katalogbeiträge. Im Jahr 2007 erhielt er den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstkritik. Nach Gastprofessuren an der HBK Braunschweig (2000-01) sowie an der HfbK Hamburg (2002-04) unterrichtet er seit dem WS 2010 an der Kunstakademie Münster.


Von (falschen) Versprechungen und (Er-)Lösungen:

Überlegungen zur Spannung im Film
Vortrag von Dr. Eckhard Pabst
Donnerstag, 10. Mai 2012 um 19:00 Uhr

 

Im Rahmen der Ausstellung Das Unerwartete erwarten laden wir Sie herzlich zu einem Vortrag von Dr. Eckhard Pabst (Institut für Neuere Deutsche Literatur & Medien, Christian-Albrechts-Universität Kiel) am Donnerstag, den 10. Mai 2012 um 19:00 Uhr ein.

Die Untersuchung der Kategorie „Spannung“ ist in der Literatur- und Filmwissenschaft lange vernachlässigt worden - einerseits wohl auch deshalb weil sie als Merkmal von „Schundliteratur“ galt, andererseits weil sie als Eigenschaft bzw. Struktur des Textes/des Filmes nicht einfach zu fassen ist. Und schließlich sind sich die Leser bzw. Zuschauer nicht immer einig darüber, was sie eigentlich spannend finden: Was ist „spannender“: Der Zauberberg von H. W. Geißendörfer oder Hitchcocks Psycho? Gleichwohl ist der Komplex der Spannung - ähnlich wie die Komik - gerade für den Film eine der zentralen selbstauferlegten Zielvorgaben.
Der Vortrag von Dr. Eckhard Pabst wird versuchen, unterschiedliche Wesensmerkmale von filmischer Spannung (etwa „suspense“, „tension“, „mystery“) zu erörtern und ihre genrespezifische Funktionalisierung zu klären. Die Ausführungen werden durch konkrete Filmbeispiele ergänzt, die eine weitere Perspektive auf den Gegenstand ermöglichen sollen. Dann wird hoffentlich dem einen oder anderen Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren.

Eckhard Pabst, Dr. phil., Jahrgang 1965, studierte Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft und Kunstgeschichte. Er ist Leiter des Kommunalen Kinos Kiel, als Mitarbeiter am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität Kiel wie auch als freiberuflicher Lektor für das ZDF (Fernsehspiel) tätig. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen zu Film und Fernsehen finden sich u.a. die Beiträge: Einführung in die Film- und Fernsehwissenschaft (mit Nils Borstnar und Hans Jürgen Wulff, 2008) oder Bilder von Städten, Bilder vom Leben. Konzeptionen von Urbanität in den TV-Serien Lindenstrasse und Gute Zeiten, schlechte Zeiten (2009).


Die Ausstellung wird gefördert durch den Senator für Kultur Bremen und die Heinz A. Bockmeyer Stiftung. The exhibition is funded by Senator für Kultur Bremen and Heinz A. Bockmeyer Foundation.

Herzlichen Dank an die Firma Gerüstbau Blankenhagen in Bremen. Many thanks to the company Gerüstbau Blankenhagen in Bremen.