H. J. Breuste – Weitergehen

Juni 1992

Konzept: Horst Griese

 

"Breuste gehört zu jenen Künstlern, die ihre Arbeit als Eingriff in die Geschichte – und nicht nur die Kunstgeschichte – sondern als Eingriff in die wirkliche Geschichte begreifen. Und dies zu Recht, denn es gibt nur sehr wenige Künstler, denen es auf so unaufdringliche Weise gelingt, Themen der Politik, der Geschichte und vornehmlich Themen, die wir nur zu gern in den Kammern unseres Vergessens bewahren, zu traktieren. [...]

Weitergehen heißt die Arbeit, die Breuste für Bremen realisiert hat. Das Werk ist die Ausstellung – und die Ausstellung ist das Werk. Weitergehen. Breuste versammelt in diesem Raum metallische Stanzen für Schokolade – der süße Genuss nebenbei – eine der feinsten Nebensachen der Welt – die elegeante Damenkränzchen ebenso zu ernähren weiß weiß, wie die Schokolodenfabrik. [...]

Breuste verwendet vornehmlich Material, das der industriellen Produktion entstammt und somit die Geschichte der industriellen Geschichte Europas in sich trägt. Hier ist er Kounellis vergleichbar, der auf ähnliche Weise einen Gesamtverlauf unserer Entwicklung seinem Werk einzuverleiben versteht.

So schwingt jenseites der aktuellen Zielgenauigkeit einer Installation von Breuste immer auch die gesamte Geschichte der Opfer der Jahrhunderte mit, wird der Prozess unserer Zivilisation im Memento Mori, in der Erinnerung an die Grausamkeit der Geschichte, in die Gegenwart des Kunstwerkes gezwungen. Diese Arbeit hier benennt ex negativo den Gegenschlag, das Ziel, das Breuste anvisiert. Dieses Ziel ist der Haltepunkt, die Umsteigestation, die Sekunde der Erfahrung, das Einhalten."

Auszüge aus dem Text zur Ausstellung von Carsten Ahrens. Der komplette Text kann im Künstlerhaus Bremen angefragt werden.

 

Materialien: Zeitungspapier, Gitterroste, Schokoladentafelgussformen, programmierte Leuchtschriftbänder, Stofflappeb, Panzlerglas. Toncollage The last train, Steve Reich.