Joachim Bertenburg / Michael Lapuks – Kodex

April 1992

Konzept: Horst Griese

Achim Bertenburg

"Der Boden des Ausstellungsraums ist bedeckt mit einem Feld unzähliger Kohleblöcke. Die topografische Anordnung dieses Bodenplateaus erscheint überschaubar, ist eigentlich aber nur als mathematisches Beziehungs- und Ordnungsgelfecht zu begreifen. Die schwazen Teile sind regelmäßig rechtwinklig innerhalb eines gedachten Quadrates so plaziert, dass jede Kombinationsmöglichkeit einmal vorkommt, diese Regel bestimmt und begrenzt die Ausdehnung des Feldes. [...]

Das menschliche Gehirn verfügt, vereinfacht, über logische Kognitive Kanäle, die eine Trägerstruktur bilden. Dieses "Gerüst" ist angefüllt mit den vielfältigen, oft zufälligen Erfahrungen, Erlebnissen und Emotionen des Menschen. Nur das Zusammenspiel beider Bereiche des Gehirns ermöglicht Individualität, komplexes Fühlen, Denken und Handeln. Kleinste Abweichungen in dem einen oder dem anderen Bereich und ihres Zusammenspiels, haben beim Menschen ein Verhalten zur Folge, das vorschnell oft als "defekt", als nicht normal bezeichnet wird, das nicht in den konventionellen Verhaltenskodex zu passen scheint. Die Ergründung des eben nicht bis ins letzte planbaren Bau- und Funktionssystems des menschlichen Gehirns, den Variationen, -Abweichungen, bis hin zu den Defekten, und natürlich die positiven wie negativen Klassifizierungen dieser Abweichungen, sind Fragen der Wisschenschaft, aber zugleich auch Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz.

Auf den letzgenannten Aspekt bezieht sich die Arbeit von Achim Bertenburg, die Ausgangspunkt und Ziel dieser Betrachtung ist."

Auszug aus dem Text zur Ausstellung von Barbara Claassen-Schmal. Der vollständige Text ist im Künstlhaus Bremen erhältlich.

 

Materialen: Kohle.

Michael Lapuks

"Die Frage nach dem Verhältnis analoger Gegensätze und korrespondierender Systeme thematisiert die Installation von Michael Lapuks auf vertrackte Weise. Wo genau sind in dieser Arbeit die Gegensätze und die Korrespondenzen auszumachen? Eigentlich ist diese Arbeit über das "Geheime", ohne zugleich das Geheime und Rätselhafte beschreiben oder gar aufzuklären zu wollen.

Michael Lapuks verwendet ein Zitat von Eliphas Levi, das sich in der polierten Kupferfläche spiegelt:
Die Analogie der Gegensätze ist das
Verhältnis von Licht und Schatten,
Gipfel und Abgrund,
Fülle und Leere.
Die Allergorie, Mutter aller Dogmen,
ist die Substitution
des Stempeös durch den Abdruck,
der Wirklichkeit durch den Schatten,
sie ist die Lüge der Wahrheit
und die Wahrheit der Lüge.

Dieser Text verweist auf alte Magien, zeigt auf, was neben der Wirklichkeit existiert: auf das Ähnliche, den Spielgel, den Schatten, den Abdruck. [...]

Diese Installation wir zum konzeptuellen Modell, zum forschenden Spiel realer, täuschender, magischer – eben paradoxer Ebnen. Die vexierartige Kontextualisierung alter magischer Ideen und ihre Bedeutungen, des Kupfers als Gravurfläche und Spiegel zugleich, setzt ein Labyrinth von Verweisen in Gang. Der Gedanke an das jeweils Abwesende verleiht der Situation etwas unfassbares, eben melancholisches. Diese Installation ist zugleich auch eine Arbeit über die Vorstellung geworden. Sie verknüpft Sichtbares mit Unsichtbarem, ist Erkenntnisfläche und Geheimnis zugleich."

Auszug aus dem Text zur Ausstellung von Barbara Claassen-Schmal. Der vollständige Text ist im Künstlhaus Bremen erhältlich.

 

Materialien: Geätzte Kupferplatte, Papier auf Holz.