K.Ö.N.I.G, Dienst am Kunden

29. Oktober – 1. November 1998

Konzept: Anne Schlöpke

Schriftlicher Beitrag zur Ausstellung K.Ö.N.I.G, Dienst am Kunden:

Kultur ist das Sammelbecken unterschiedlicher Ansichten von Individuen (z.B. bildende Künstler), die sich weigern, die objektive Wirklichkeit ohne weiteres hinzunehmen, und die dafür eine persönliche Alternative anbieten. Die Künstler bewegen sich im Raum des freien Verbindungs-, Assoziations- und Synthetisierungsgeschäfts. Sie sammeln, analysieren, forschen und schlagen letztendlich ein neues Arrangement vor. Künstler sind mobil. Sie verlassen ihre Werkstätte auf der Suche nach Quellen und Stellen für ihre einmaligen ortsgebundenen Arbeiten. Sie sind Außenraumgestalter. Die Kunst überrascht, überrumpelt, indem sie in einem nie vorhersagbaren Kontext auftaucht. Seitdem Künstler sich handelsübliche Strategien angeeignet haben, sind sie imstande von 'lebensechten' Marktpositionen aus zu operieren. Die Verwirrung, die dadurch beim Publikum entsteht, eröffnet ein neues Absatzgebiet. 

Die Werbung sowie die Kunst bedient sich des Hebels der Verführung und des Versprechens. Kunst und Werbung suggerieren und manipulieren beide. Das Ziel der Werbung aber besteht daraus, das Konsumverhalten direkt und auf quantitativ spürbare Weise zu beeinflussen, wo die Kunst einen langfristigen Effekt (Affekt) auf die Qualität des Handelns, der Wahrnehmung und des Bewußtseins der Empfänger beabsichtigt. Die Künstler vertreten zunächst das Detail, den Ausschnitt, das Unscheinbare, den Zusammenhang, das Immaterielle. Sie betreiben das Gewerbe der Freilegung des Poetischen im prosaischen Umfeld. In der Öffentlichkeit entwickeln sie sich, spielend, zu 'Einzelheitskrämern'. Die Kunstwerke wollen eher reflektieren als kommunizieren: sie spiegeln den Betrachtern (etwas vor). So lenken sie die Aufmerksamkeit der Passanten auf die Kunst. Auf diese Weise tragen Künstler zur sozialen Perspektive bei und leisten sie einen Dienst.

Um bemerkt zu werden braucht der Künstler chamäleonische Eigenschaften und Fähigkeiten. 

Künstler sollen wendig sein und bleiben und haben deswegen keine Interesse an einem praktischen oder theoretischen Spezialgebiet. Die intellektuellen Omnivoren unter den zeitgenössischen Künstlern sind am meisten überlebungsfähig. Spezialisierung kann vorübergehend nützlich sein insofern sie projektspezifisch ist. Sie ist nur dann sinnvoll wenn sie der Schärfe des endgültigen 'Bildes' zugutekommt. Wenn Künstler sich schon spezialisieren, dann auf dem Gebiet der Kultivierung ihres eigenen Erstaunens.

Arnold Schalks, Rotterdam, 31. Januar 1998