Der ideale Ort, um mit der Freiheit unter vier Augen zu sprechen
Jesse Ash / Nina Beier / Hanne Darboven / Harald Falkenhagen /
Hans-Peter Feldmann / Sven Johne / Jiŕí Kovanda / Nina Beier & Marie Lund / Roman Ondák / Aslı Sungu
04. Dezember 2010 – 20. Februar 2011
Eröffnung: 03. Dezember 2010, 19:00 Uhr
Begrüßung // Welcoming speech:
Waltraut Steimke, Geschäftsführung, Künstlerhaus Bremen
Einführung // Introduction:
Stefanie Böttcher, Künstlerische Leitung, Künstlerhaus Bremen
ab 19:30 Uhr
Performance von Nina Beier:
Performer Performing Performance
performt von Sebastian Kautz
Öffnungszeiten: Mi - So 14.00 - 19.00 Uhr
Opening hours: Wed - Sun 14.00 - 19.00 hrs
Künstlerhaus Bremen // Am Deich 68/69 // 28199 Bremen
Tel: 0049.(0)421.508 598 // Fax: 0049.(0)421.508 305
Mail: buero@kuenstlerhausbremen.de
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- Programm // Programme:
- 18.01.2011, 19:00 // Ausnahmen bestätigen die Regel. Die künstlerische Freiheit in der deutschen Rechtsprechung //
Vortrag von Dr. jur. Nicolai Kemle, Vorsitzender Institut für Kunst und Recht - 03.02.2011, 19:00 // Die Kunst macht die Musik – von John Cage bis Jorinde Voigt //
Vortrag von Ingrid Buschmann, Kuratorin Freunde Guter Musik Berlin e.V.
- Führungen // Guided tours:
- 16.12.2010, 19:00 // 06.01.2011, 19:00
Die künstlerische Freiheit ist legendär. Doch was ist das für eine Art von Ungebundenheit? Was macht sie aus? Handelt es sich bei ihr um eine rein geistige Freiheit oder eine Autonomie der Handlung? Vielleicht besteht diese Freiheit gerade darin, einen eigenen Regelkanon zu erdenken und sich nach ihm zu richten. Häufig basieren künstlerische Werke auf ausgeklügelten Regelsystemen. Strategien, Aufgaben oder Versuchsaufbauten werden erdacht und expliziten Bestimmungen unterworfen, woraus oft vollkommen neuartige Gesetzmäßigkeiten entstehen. Liegt also das Potenzial ihrer Aktionen nicht vielmehr darin, dass Künstler in scheinbarer Abkehr von der Idee des freien Handelns die Richtlinien, die sie befolgen wollen, selbst verfassen und so eigene Schranken ihrer Aktivität errichten? Fälle der selbst gewählten Eingliederung in ein System mit maßgeschneiderten Auflagen beleuchtet die Ausstellung Der ideale Ort, um mit der Freiheit unter vier Augen zu sprechen. Es werden unterschiedliche Beiträge miteinander verknüpft, in denen die Künstler das Aussehen ihrer Umgebung für einen Moment umwandeln, indem sie sie schonungslos enthüllen oder ihr fremde Schablonen auflegen. Sei es mittels Spielregeln, die kreiert und befolgt werden, durch das Überstrapazieren bestehender Vorschriften oder die Implementierung neuer Direktiven für den Rezipienten: der Reiz dieser Praxis liegt darin, Taktiken auszuformen, die Gewohntes unterminieren.
Artistic freedom is the stuff of legend. But what kind of freedom is it? What is its essence? Is it a purely spiritual freedom, or does it mean autonomous action? Perhaps this freedom entails conceiving one's own set of rules and living according to them. Artworks are often based on complex systems of rules. Strategies, tasks or test set-ups are conceived and then subjected to explicit conditions which often give rise to totally new laws. So does the potential of artists' actions not perhaps mean that they themselves, apparently renouncing the idea of freedom of action, compile the guidelines which they follow and thus set their own limits to their activities? The exhibition Der ideale Ort, um mit der Freiheit unter vier Augen zu sprechen highlights cases of self-chosen integration into a system with tailor-made constraints. It links different works in which the artists temporarily transform the appearance of their surroundings by either ruthlessly exposing them or by imposing alien templates on them. Be it by creating and following the rules of the game, by overworking existing guidelines or by implementing new directives for the recipient: the charm of this practise consists of shaping tactics that undermine the familiar.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Die künstlerische Freiheit in der deutschen Rechtsprechung
Ein Vortrag von Dr. iur. Nicolai B. Kemle, Vorsitzender des Instituts für Kunst und Recht
Dienstag, den 18.01.2011, 19:00 Uhr
Die Freiheit der Kunst ist seit jeher ein umstrittenes Gebiet. Wie frei die Kunst denn wirklich ist, bedarf einer systematischen Betrachtung. Tatsächliche, rechtliche und moralische Einschränkungen können sie einschränken. Kunstfreiheit im heutigen Verständnis bedeutet nicht, dass Kunst alles zeigen, schreiben und darstellen darf, was sie möchte. Sie muss sich in ihren Grenzen halten, um nicht Rechte Dritter zu verletzen. Hält die Kunstfreiheit die Rahmenbedingungen ein, stellt sie auf der anderen ein starkes Recht dar. Denn die Kunst ist eines der ausdruckstärksten Mittel die es gibt, um gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. Die Grenzen der Kunst sind allerdings umstritten und werden in Gerichtsprozessen habhaft. Der Vortrag soll diese Grenzfälle und die Entwicklung der Kunstfreiheit als Grundrecht aufzeigen, zu Diskussionen anregen und für zukünftige Überlegungen Anreiz bieten.
Dr. iur. Nicolai Boris Kemle, geboren 1973, wuchs in Heidelberg als Sohn von Kunsthändlern auf. Schon früh im Studium der Rechtswissenschaft an der Ruprecht-Karls Universität Heidelberg beschäftigte er sich mit urheberrechtlichen und künstlerischen Fragen. Er promovierte unter Prof. Dr. Dr. h.c. mult Erik Jayme in Heidelberg zu dem Thema des Zugangs von Galeristen und Künstlern zu Kunstmessen. Im Jahr 2002 gründete er die Kanzlei Dr. Kemle & Leis. Zusammen mit Dr. Matthias Weller rief er 2005 das Institut für Kunst und Recht IFKUR e.V. (www.ifkur.de) ins Leben und ist seitdem 1. Vorsitzender. Gleichzeitig ist er Mitherausgeber und Schriftleiter der Tagungsbände und der vierteljährlich erscheinenden elektronischen Zeitschrift des Instituts „Kunstrechtsspiegel“.
Die Kunst macht die Musik – von John Cage bis Jorinde Voigt
Ein Vortrag von Ingrid Buschmann, Kuratorin Freunde Guter Musik Berlin e.V.
Donnerstag, den 03.02.2011, 19:00 Uhr

Die künstlerische Freiheit zeigt sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts auch in den Grenzüberschreitungen zwischen den traditionellen Gattungen der Kunst. Die Schnittstelle von Kunst und Musik, von visueller und akustischer Wahrnehmung und Erfahrung hat sich dabei als ein besonders produktiver Bereich erwiesen. Bei vielen Bildenden Künstlern zeichnet sich die interdisziplinäre Arbeitsweise gerade durch eine bewusste Übertragung ihrer künstlerischen Konzeptionen und Strukturen in den musikalischen Bereich aus. Beide Bezugssysteme, Kunst und Musik, erfahren dadurch eine Erweiterung und neue Impulse.
Der Vortrag stellt einige ausgewählte Künstlerinnen und Künstler vor, die durch ihre individuellen Ordnungssysteme und eigenen Regeln neue Sichtweisen u.a. auf den Zeit- und Materialbegriff sowie auf die Präsentationsformen von Kunst und Musik ermöglichen.
Ingrid Buschmann ist Kunstwissenschaftlerin und lebt als freiberufliche Kuratorin von Kunst- und Musikprojekten in Berlin. Seit 1993 ist sie als Vorstandsmitglied bei Freunde Guter Musik Berlin e.V. tätig und kuratiert dort seit 1999 die Veranstaltungsreihe »Musikwerke Bildender Künstler«. Als Kuratorin und Koordinatorin von Ausstellungen und Konzertveranstaltungen war sie weiterhin tätig u.a. für Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart - Berlin, Akademie der Künste Berlin, Neue Gesellschaft für Bildende Künste Berlin und Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart.
Die Ausstellung wird gefördert vom Senator für Kultur Bremen. Herzlichen Dank an den Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln und die bremer shakespeare company.




