Künstlerhaus Bremen

EIN SCHELM, WER BÖSES DABEI DENKT


Eröffnung // Opening:
Freitag,  29. Januar 2016, 19:00 Uhr

30. Januar 2016 - 17. April 2016

Begrüßung // Welcoming speech:

Nicole Nowak, Geschäftsführung Künstlerhaus Bremen

Einführung // Introduction:

Stephanie Seidel, freie Kuratorin
Fanny Gonella, Künstlerische Leitung Künstlerhaus Bremen
Die Ausstellung ist kuratiert von Stephanie Seidel und Fanny Gonella

Mit: Kerstin Cmelka, Pauline Curnier Jardin, Michele Di Menna, Feminist Land Art Retreat, Margaret Harrison, Alexis Hunter, Anne Imhof, Shana Moulton, Anne Speier, Megan Francis Sullivan & Amelie von Wulffen.

Geschlossen // closed: Karfreitag und Ostersonntag // Good Friday and Easter Sunday

 

Alexis Hunter, Approach to Fear: XVII: Masculinisation of Society - exorcise, 1977, 2 Paneelen, 25 x 101 cm je, Courtesy Richard Saltoun Gallery, London

 

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Programm // Programme:
Donnerstag, 11. Februar, 19:00 Uhr // Performance von Kerstin Cmelka mit Mario Mentrup, The Animal Exercise. Die neue Performance der österreichischen Künstlerin führt ihre Auseinandersetzung mit dem „Method Acting“ fort. Eine daraus stammende Übung, das minutiöse Schauspielstudium einer Tierpersönlichkeit als Handlungsträger und choreographisches System, verwendet Cmelka, um das Zusammenspiel von Illusion, Authentizität und Inszenierung zu erforschen.
Sonntag, 28. Februar, 14:00 Uhr // Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Fanny Gonella.
Sonntag, 20. März, zum Sonnenuntergang // Performance von Michele di Menna. In der Folge ihrer Auseinandersetzung mit Hexen hat die kanadische Künstlerin eine neue Performance für den Frühlingsanfang konzipiert, die sich zwischen Innen- und Außenraum erstrecken wird. Die genaue Uhrzeit wird in der Woche der Veranstaltung bekannt gegeben.
Donnerstag, 7. April, 19:00 Uhr //  Lesung von pikaresken Texten mit Pauline Curnier Jardin. An diesem Abend liest und diskutiert die französische Künstlerin eine Auswahl von zeitgenössischen Texten, die neue Handlungsräume von Frauen in digitalisierten Ökonomien thematisieren.

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Ausstellungsansichten: Ein Schelm, wer was Böses denkt, Künstlerhaus Bremen, 2015, Fotos: Marcus Meyer und Künstlerhaus Bremen


Im 16. Jahrhundert entstand die Gattung des Schelmen- oder pikaresken Romans. Sein Hauptprotagonist ist der Schelm (pícaro) – ein Antiheld aus niedriger sozialer Schicht, der einfältig aber auch bauernschlau ist. Oft unabsichtlich wirkt er witzig und derb und stellt mit seiner scheinbar naiven Weltsicht die Gesellschaft mit ihren Konventionen sowie Verlogenheiten in Frage.

Anstelle des im Roman üblicherweise männlichen Protagonisten fragt diese Ausstellung danach, welche Konventionen herausgestellt werden, wenn der Hauptcharakter die Schelmin – also eine weibliche (Anti-)Heldin – ist. Angelehnt an das literarische Format des Schelmenromans bringt die Gruppenausstellung Werke zusammen, die sich um Perspektivverschiebungen und neue Gewichtungen von weiblichen Rollenzuschreibungen und Handlungsräumen drehen. Die Künstlerinnen stellen soziale Stereotypen, eingefahrene Rollenmuster und normative Vorstellungen von weiblicher Identität humorvoll in Frage. Ironische und satirische Aneignung, Identitätsverschiebungen wie auch groteske und theatralische Elemente sind nur einige der Strategien von den Künstlerinnen zur Entlarvung und kritischen Distanzierung von Klischees.

So wie die Dramaturgie des pikaresken Romans keiner linearen Erzählung folgt, setzt sich die Ausstellung aus unterschiedlichen Erzählfragmenten zusammen, die sich ergänzen wie auch widersprechen. Die Schelmin verwischt die Gegensätze zwischen falsch und richtig, Erfolg und Misserfolg. Während die Gesellschaft bestimmte Rollenmuster anbietet, wählt die Schelmin stattdessen absurde Pfade, unangemessene Gesten sowie Strategien der Verspottung und der Unverschämtheit. Sie schafft neue Handlungsspielräume, die sich nicht entlang linearem, rationalem Denken messen lassen, sondern eine Verbindung zwischen einer historischen „animistischen, transindividuellen“ und einer heutigen „modularen“ Subjektivität aufzeichnen.


The literary genre of the picaresque novel developed in the 16th century. Its main protagonist is the prankster or rogue (Spanish: pícaro, German: Schelm), a simple yet shrewd anti-hero of low social class. He often unintentionally appears witty and coarse, calling the conventions and factitiousness of society into question with his seemingly naïve worldview.

Instead of the usually male protagonist of such novels, this exhibition asks what conventions would be singled out if the main character happened to be a female (anti-) hero. Based on the literary format of the picaresque novel, the show brings together works that explore shifts in perspective and put new emphases on female role ascriptions and spaces of action. The artists humorously question social stereotypes, role patterns and normative understandings of female identity. Ironic and satiric appropriation, identity shifts as well as grotesque and theatrical elements are only a few of the strategies employed by the participating artists to expose and critically disassociate role clichés.

Just as the dramaturgy of the picaresque novel does not follow a linear structure, the exhibition is composed of differing narrative fragments that both supplement and contradict each other. The female rogue blurs the contrasts between right and wrong, success and failure. While society offers specific role patterns, she chooses instead absurd paths, makes inappropriate gestures and follows strategies of mockery and impudence. She creates a new scope of action that cannot be measured along linear, rational parameters but instead charts a connection between an historical “animistic, transindividual” subjectivity and a contemporary “modular” one.


Lesung von pikaresken Texten mit Pauline Curnier Jardin

Donnerstag, den 7. April um 19 Uhr

Pauline Curnier Jardin, A Portrait of Emily Dickinson (they loved my bouquets mor than my poems), 2012,
Zeichnung, Gouache, Tinte, Plastiktüte, 85 x 45 cm, Foto: Cédrick Eymenie

Am Abend des 7. Aprils erfreut wir uns, Pauline Curnier Jardin (*1980 in Marseille, lebt und arbeitet in Amsterdam) zu Gast im Künstlerhaus Bremen zu haben. Die französische Künstlerin zeigt in unserer Ausstellung Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ein Porträt der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson.

In der Veranstaltung treffen Auszüge aus Schelmenromanen, narrative Elemente aus Curnier Jardins Werk und einige ihrer Inspirationsquellen aus der pikaresken Literatur aufeinander. Im Laufe des Abends werden sowohl Teile von Videoarbeiten der Künstlerin gezeigt als auch Texte auf Deutsch und Englisch gelesen und diskutiert - u.a. Das Hörrohr von Leonora Carrington, Reena Spaulings von Bernadette Corporation als Ergebnis eines kollektiven Schreibprozesses oder My Wet Hot Drone Summer von Lex Brown aus der Serie ,New Lovers', eine von Badlands Unlimited herausgegebene Reihe von zeitgenössischen, erotischen Texten.

Wir freuen uns auf diesen Abend mit ihr, an dem das Performative, die Literatur und das Video in einer wechselseitigen Beziehung zueinander stehen werden, und laden Sie herzlich dazu ein!

 


Performance von Michele Di Menna

Sonntag, den 20. März um 18.39 Uhr

Performance von Michele Di Menna

Die Arbeit Blushing Butts 1,2,3,4 von Michele Di Menna – derzeit in der aktuellen Ausstellung Ein Schelm, wer Böses dabei denkt zu sehen – wird an diesem Sonntag um 18.39 Uhr im Rahmen einer Performance auf der Kleinen Weser installiert und fortan dort schwimmen.

Die kanadische Künstlerin stellt Teile ihres eigenen Körpers in Form von Abgüssen zur Schau und bezieht sich dabei auf die Hexenverfolgung, zu der sie während einer Künstlerresidenz in Süddeutschland intensiv recherchierte. In Bremen greift sie Motive aus diesem brutalen historischen Umgang mit Frauen auf, um Verwundbarkeit und Unbehagen, zentrale Komponenten ihrer Performance, ins Licht zu rücken. Vor dem historischen Hintergrund jedoch erzeugen die Blushing Butts ein Wechselspiel von Tragik und Komik. Humor wird hier als Handlungsstrategie verwendet, um Klischees über Frauen auf dem Kopf zu stellen.

Die Performance fällt auf den Tag, an dem Tag und Nacht gleich lang sind. Auf der Nordhalbkugel bestimmt die Tag-und-Nacht-Gleiche den astronomischen Frühlingsanfang. Im Kalender variiert dieses Datum je nach Jahr zwischen dem 19. und 21. März. Genauso ist die Uhrzeit der Performance – der Sonnenuntergang – nur für den spezifischen geografischen Ort, an dem sie stattfindet, gültig. Die Terminierung verweist auf einen vor-modernen Umgang mit Zeit, in dem die lokale Situation für Zeitrechnung maßgebend war.

Treffpunkt: Am Ufer der Kleinen Weser vor dem Künstlerhaus

Mit Unterstützung der Botschaft von Kanada


Performance von Kerstin Cmelka: The Animal Exercise

Donnerstag, 11. Februar, 19 Uhr

Im Rahmen unserer neuen Ausstellung möchten wir Sie diese Woche alle herzlich zur Performance der österreichischen Künstlerin Kerstin Cmelka einladen. Seit 2008 produziert Cmelka kurze Filme und Performances, die sogenannte "Mikrodramen" zur Aufführung bringen. Bekannte und klischeehafte Film- und Theaterszenen werden hier mit befreundeten Künstler_innen nachgestellt und verfremdet. Die Entlarvung von Klischees spielt bei Cmelka ebenso eine Rolle wie Formate von Kollaboration und Komplizenschaft.

2016 wird als Teil des vielschichtigen Projektes The Animals  ein Spielfilm erscheinen, dessen Ankündigung in der aktuellen Ausstellung in Form von Postern und einer Tonspur installiert ist. In der Performance, die sie gemeinsam mit Mario Mentrup aufführt, setzt die Künstlerin ihre Auseinandersetzung mit einer Übung aus dem "Method Acting" fort: The Animal Exercise. Eine Tierpersönlichkeit dient als Ausgangspunkt um Verhaltensmuster zu skizzieren. Kerstin Cmelka hinterfragt diese und untersucht die Konstruktion von Rollenmustern und Handlungsräumen. Vor dem Hintergrund der Ausstellung wird der Umgang der Frauen mit ihrer Sexualität als Teil einer spezifischen Darstellungsmethode begriffen und sichtbar gemacht.

Treffpunkt: Im Gastatelier im Vorderhaus des Künstlerhaus Am Deich.


Die Ausstellung wird gefördert durch:

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