Künstlerhaus Bremen

IM INNEREN DER STADT // DIE EINFLÜSSE DES DIGITALEN AUF DAS ÖFFENTLICHE


Eröffnung // Opening:
Samastag, 18. Juli 2014, 16:00 Uhr

19. Juli - 11. Oktober 2015

Begrüßung // Welcoming speech:

Carmen Emigholz, Kulturstaatsrätin der Stadt Bremen
Nicole Nowak, Geschäftsführung Künstlerhaus Bremen
Einführung // Introduction:

Janneke de Vries, Direktorin GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Dr. Anne Thurmann-Jajes, Leiterin Zentrum für Künstlerpubliaktionen

Eine Gruppenausstellung in Kooperation mit der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst  und dem Zentrum für Künstlerpublikationen

Mit: Auto Italia South East, James Bridle, Petra Cortright, Cécile B. Evans, Agatha Gothe-Snape, David Horvitz, Daniel Neubacher, Yuri Pattison

im inneren der stadt

Programm // Programme:
Mittwoch, 22. Juli 2015, 19:00 Uhr // Ox – Public Posters // Buchvorstellung in Anwesenheit des Künstlers // Ort: Weserburg – Zentrum Für Künstlerpublikationen
Samstag, 25. Juli 2015, 15:00 Uhr // Stadtspaziergang mit Janneke De Vries und Anne Thurmann-Jajes zu ausgewählten Stationen der Ausstellung // Start: Vorplatz des Weserburggebäudes
Sonntag, 02. August 2015, 15:00 Uhr // Fahrradführung mit Anne Thurmann-Jajes zu ausgewählten Stationen der Ausstellung // Start: Vorplatz des Weserburggebäudes
Samstag, 08. August 2015, 13:00 Uhr – 15:00 Uhr // Picknick mit Radio mit Regine Beyer und Anne Thurmann-Jajes // Ort: Waller Park
Samstag, 15. August 2015, 21:00 Uhr // Everybody Street von Cheryl Dunn // Open Air Filmscreening mit Peter Sämann // Ort: Vorplatz des Weserburggebäudes
Dienstag, 25. August 2015, 11:00 Uhr – 15:00 Uhr // Kinderworkshop // Ort: GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst
Donnerstag, 27. August 2015, 19:00 Uhr // Kuratorinnenführung durch die Ausstellungen // Start: GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst
Freitag, 28. August 2015, 21:00 Uhr // Kurzfilme // Open Air Filmscreening mit Peter Sämann // Ort: Vorplatz des Weserburggebäudes
Samstag, 05. September 2015, 15:00 Uhr // Stadtspaziergang mit Janneke De Vries und Anne Thurmann-Jajes zu ausgewählten Stationen der Ausstellung // Start: Vorplatz des Weserburggebäudes
Samstag, 12. September 2015, 13:00 Uhr – 15:00 Uhr // Picknick mit Radio mit Regine Beyer und Anne Thurmann-Jajes // Ort: Schlosspark Sebaldsbrück
Mittwoch, 16. September 2015, 19:00 Uhr // Corporate Creativity und Ökonomien der Kultur // Ein Gespräch mit Auto Italia South East, Künstlerinitiative aus London (in engl. Sprache) // Ort: Künstlerhaus Bremen
Donnerstag, 24. September 2015, 19:00 Uhr // Ourpress Publishing // Arno Auer (Künstler, Berlin) über Künstlerbücher und Selbstverlag // Ort: GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst
Freitag, 25. September 2015, 19:00 Uhr // Zur ursprünglichen Akkumulation der Öffentlichkeit // Vortrag von Johan Hartle, Universität Amsterdam // Ort: Weserburg - Zentrum Für Künstlerpublikationen
Donnerstag, 01. Oktober 2015, 19:00 Uhr // Umsonst und Draussen // Ein Gespräch zwischen Achim Bitter (Künstler, Bremen), Britta Peters (Kuratorin, Skulptur Projekte 2017) und Andreas Siekmann (Künstler, Berlin) über Künstlerische Strategien im öffentlichen Raum. //  Moderation: Dominikus Müller (Kunstkritiker, Berlin). // Ort: GAK Gesellschaft Für Aktuelle Kunst
Donnerstag, 08. Oktober 2015, 19:00 Uhr // Kuratorinnenführung durch die Ausstellungen // Start: Künstlerhaus Bremen

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Ausstellungsansichten: IM INNEREN DER STADT // DIE EINFLÜSSE DES DIGITALEN AUF DAS ÖFFENTLICHE, Künstlerhaus Bremen, 2015, Fotos: Marcus Meyer


Die Technologie schafft neue Bezugsformen zum öffentlichen Raum als Ort des Zusammenseins und des Austausches. Selbstorganisierte soziale Bewegungen über Internet, Userforen oder sogar der NSA-Abhörskandal weisen auf neue Wahrnehmungsstrukturen der Gemeinschaft hin. Die Ausstellung im Künstlerhaus Bremen nimmt die Erweiterung des öffentlichen Raumes im digitalen Bereich als Ausgangspunkt. Bezugnehmend auf künstlerische Positionen, die diesen Raum als Ort der Gemeinschaft untersuchen, führt sie verschiedene Umgangsstrategien mit dem öffentlichen digitalen Bereich zusammen. Die technologischen Entwicklungen werden hier sowohl als Raum als auch als Mittel betrachtet, die neue Zugangsmöglichkeiten zu Leuten, Informationen und Orten schaffen. Die beteiligten Künstler setzen sich insbesondere mit den dadurch ausgelösten Änderungen auseinander, die das Verständnis des uns umgebenden physischen und emotionalen Raumes untergehen.

Cécile B. Evans (*1983 in Cleveland, USA) untersucht in ihrer Arbeit die Verschiebungen unserer emotionalen Realität durch den virtuellen Raum. Wir präsentieren eine neue Etappe ihres langfristigen Projektes Agnes – ein Bot, d.h. eine künstliche Intelligenz, die programmiert ist und auf der Webseite der Serpentine Gallery lebt. Da Agnes ein Programm ist, das im Laufe der Zeit wie jedes Programm obsolet werden wird und nicht mehr sprechen bzw. funktionieren wird, wird es angeboten, die Unterhaltung mit Agnes aufzunehmen und sich an der Archivierung des Projektes zu beteiligen.

Petra Cortright (*1986 in Santa Barbara, USA) inszeniert sich selbst vor einer Webcam in einer vorgefertigten digitalen Landschaft und täuscht in ihrem Verhalten Authentizität und Naivität vor. Alle ihre Videos stellen eine Art fantasiertes Tagebuch dar, das permanent auf Youtube zur Verfügung steht. Während Daniel Neubacher (*1985 in Nürnberg) unsere Sehnsucht nach Natur bespielt und mit seinem Video die Frage nach neuen Orientierungspunkten in der digitalen Landschaft aufwirft, setzt sich James Bridle (*1980 in London, GB) mit der Materialität von Render Ghosts auseinander – Menschen, die auf online Landschaften zu sehen sind und deren Bild zu diesem Zweck erworben wurde. Zusammen untersuchen sie das Verhältnis zwischen Darstellung und realem Raum, das sich mit jeder neuen Technologie ändert.

Die Londoner Künstlerinitiative Auto Italia South East entwickelt in ihrem fortlaufenden Projekt Meet Z eine Reflexion zur Schrumpfung des der Kunst zur Verfügung stehenden Raumes - bedingt durch die Immobilienspekulation in London - und als Konsequenz, die Verlagerung der künstlerischen Arbeit in den digitalen Raum. David Horvitz (*1982 in Los Angeles, USA) hinterfragt mit seinem Garden of Sleep, der vor der Fassade des Künstlerhauses präsentiert wird, das Verschwinden der Nacht im digitalen Raum. Mood Disorder, eine weitere Arbeit des Künstlers, zeigt, wie ein Selbstbild, das er auf der gleichnamigen Wikipedia Seite hochgeladen hat und dadurch frei von Rechten geworden ist, im digitalen Raum in unterschiedlichsten Kontexten zur Erscheinung kommt.

Agatha Gothe-Snape (*1980 in Sydney, AUS) übernimmt vorgefertigte Ausdrucke aus der Corporate Language und wandelt sie in die poetische Power-Point Kollage 47.TRYING TO FIND THE PHYSICAL DOORWAY um. Dadurch weist sie darauf hin, wie der öffentliche Raum zu einem unternehmerischen Kommunikationsraum geworden ist, der gezielt Botschaften des Wohlseins und der Effizienz bis in den Unsinn verbreitet. Yuri Pattison (*1986 in Dublin, IR) thematisiert die Zirkulation von Informationen, die zum größten Teil heute in Serverräumen festgehalten werden. Ausgehend von der Snowden-Affäre lies er das Hotelzimmer im Mira-Hotel in Hong Kong, aus dem Edward Snowden die NSA Informationen freigab, von jemandem vor Ort nachfilmen und präsentiert es in einer Installation, die auf die schwer erkennbare historische Dimension von bestimmten, offenbar dennoch entscheidenden neutralen Räumen weist. Das Video ist ebenfalls in Form von Rohdaten auf einem Server zugänglich, dessen entsprechende Domäne früher mit Snowdens Aktivität verbunden war.

Gemeinsam fragen diese Künstler nach möglichen Formen des Zusammenseins in einem Kontext, wo die Allgegenwärtigkeit des digitalen Raumes zu einer Verschmelzung der Ferne und Nähe führt. Die konstante Zugänglichkeit des Digitalen stellt einen ununterbrochenen Fluss von Daten zur Verfügung, in dem Informationen und Ereignisse aufeinander folgen und ein Umfeld gestalten, das zwischen Aufrichtigkeit und Antiklimax schwankt. Die Ausstellungsarchitektur knüpft an diese Komprimierung an und materialisiert die Antiklimax in einer Inszenierung als Wartesaal. Ein solcher Raum ist ein transitorischer Ort, indem scheinbar nichts passiert und gemeinsam auf das nächste Mikro-Ereignis gewartet wird. Er spielt auf die aktuelle, von Internet bedingte Erfahrung von Ereignissen an, die uns konstant und undifferenziert auf Screens aller Art erreichen und das Verhältnis zum Außenraum neu gestalten.


Aussenprojekte des Künstlerhaus Bremen

Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung sind folgende Projekte online zugänglich:

Auto Italia South East
Meet Z: ein content-on-demand Pilotdienst, der für Sie jederzeit verfügbar ist. Z ist ein persönlicher Guide, Produktivitätsberater und kreativer Kollaborateur. Die Zukunft ist voller Möglichkeiten- verpassen Sie nicht ihre Chance. Meet Z wurde konzipiert und unter der Regie von Marleen Boschen, Marianne Forest und Kate Cooper, in Zusammenarbeit mit Theo Cook, Pablo Jones-Soler, Michael Oswell. Kieran Startup und James Wreford gesteuert.
Ort: autoitaliasoutheast.org/meetz

Cécile B. Evans
AGNES ist ein Bot, das auf der Website der Serpentine Galleries lebt. Ein Bot ist eine künstliche Intelligenz häufig ein automatisiertes Programm, und lebt online. Sie können mit ihr interagieren, indem Sie auf beiden Hände in der rechten unteren Ecke der Webseite klicken.
Ort: serpentinegalleries.org/exhibitions-events/agnes

Yuri Pattison
Diese Domäne stand früher in Verbindung mit Edward Snowdens Aktivität. Heute sind dort rohe Videodaten von Yuri Pattisons Video 1014 zu finden, welche für die Dauer der Ausstellung über einen Server im Künstlerhaus zugänglich sind.
Ort: yuhanapress.com/


INSIDE THE CITY*

A collaboration of GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Künstlerhaus Bremen and Centre for Artists‘ Publications

The increasing demand for security, privatization, commercialization and virtual platforms like Google Maps, Twitter and Facebook have led to a fundamental change in the nature of the public sphere and public space. Every last corner of the city is monitored by CCTV cameras, every public gathering requires an official permit, former public squares are being converted into outdoor cafés and beer gardens and the state would like nothing more than “transparent people”, posting private information about themselves and making it accessible to the general public. The exhibition project Inside the City highlights the changed configurations in and around public space and investigates how they are now perceived, what mechanisms are at play here and what strategies are have emerged within art in response to these developments.

In keeping with their respective profiles, the three institutions of GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Künstlerhaus Bremen and Centre for Artists‘ Publications focus on different aspects of public space and public sphere in contemporary art. GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, in Inside the City. Public Space and Free Space, addresses the ambivalent nature of public space, caught between democratic spirit and restrictive reality. Künstlerhaus Bremen, in Inside the City. The Impact of the Digital Sphere on Public Space, focuses on how digital space creates a new dimension of public space, while the Centre for Artists‘ Publications, in Inside the City. Artists’ Publications as Art in Public Space, presents art since the 1960s, with all the opportunities and media of the public.

The artistic positions represented as part of Inside the City are thus not confined solely to institutional spaces. They also extend in subject matter and location to form a network of art across Bremen. However, they do not become fixtures in the usual manner of art in public space – like street furniture that owes its location and public reception to bureaucratic permits. Instead, approaches are taken that can rather be perceived at the subliminal level and new forms of articulation are sought, to the point where public space – within the three institutions and within public space itself – becomes the exhibition.

* “Im Inneren der Stadt” (Inside the City) is a song by Hamburg band Kante from their album Zombi, Kitto-Yo 2004.


Künstlergespräch mit Auto Italia South East: Corporate Creativity & Ökonomie der Kultur

 Auto Italia South East

Die Londoner Künstleriniative Auto Italia South East wurde 2007 gegründet. Für ein Künstlergespräch, unter anderem zum Thema Corporate Creativity und Ökonomie der Kultur, sind Auto Italia South East an diesem Abend zu Gast in Bremen. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist es, eine Plattform für neue künstlerische Produktionen und alternative Ausstellungsformate zu schaffen. Im Künstlerhaus Bremen ist derzeit die Fortsetzung ihres Projektes Meet Z zu sehen. Es reflektiert den Einfluss der Immobilienspekulation auf knüstlerische Schaffensprozesse in einer Stadt wie London. Z ist ein programmierter und optimierter Berater, der hier jederzeit verfügbar ist - eine Anspielung auf die steigende Nachfrage nach kreativem Potenzial und dessen Bedeutung für den Erfolg.


Letzte Ausstellungswoche & Kuratorinnenführung

 Auto Italia South East

In der letzten Woche der Ausstellung Im Inneren der Stadt möchten wir Sie am Donnerstag, den 8. Oktober um 19 Uhr zu einer Kuratorinnenführung mit Fanny Gonella, Janneke de Vries und Anne Thurmann-Jajes einladen. Nach einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm bietete sich an diesem Abend ein letztes Mal die Gelegenheit gemeinsam mit den Kuratorinnen des Projektes die verschiedenen Teile der Ausstellung zu besuchen. Sie werden exemplarische Positionen vorstellen und Bezug nehmen auf Fragestellungen, die im Laufe der Ausstellung zum Ausdruck gekommen sind.

Bei diesem Projekt stehen in den drei Häusern verschiedene Aspekte von öffentlichem Raum und Öffentlichkeit im Fokus. Im Künstlerhaus Bremen untersucht Im Inneren der Stadt - Einflüsse des Digitalen auf das Öffentliche eine neue Realität des öffentlichen Raums, die im digitalen Raum entsteht. Treffpunkt für die Führung ist dort in der Galerie des Künstlerhaus um 19 Uhr.


Die Ausstellung wird gefördert durch // The exhibition is funded by