Künstlerhaus Bremen

Jonathan Monk // Ocean Wave


Pressemeldung

Jonathan Monk
Ocean Wave

11. Dezember 2004 – 20. Februar 2004
Eröffnung am Freitag, 10. Dezember um 19:30

Setzt man sich mit einem Stuhl auf ein Giebeldach, so ist es nur eine Frage des Gleichgewichts und der Zeit, wann man mit diesem gen Boden stürzt. Von einer 16mm Kamera dokumentiert, machte der holländische Künstler Bas Jan Ader 1971 dieses Experiment zu seiner Fallstudie (The Fall I.) In anderen Arbeiten ist zu sehen, wie er mit dem Fahrrad in eine Amsterdamer Gracht fährt, sich von einem Baum oder einfach aus dem Stand fallen lässt.
Sich-fallen-lassen, aus dem Gleichtgewicht geraten, sind Momente eines aktiven Kontrollverlusts, der das Scheitern bereits mit einbezieht. Die Lust, die Kontrolle über sich zu verlieren, Raum und Zeit auszuhebeln, sind alltägliche Sehnsüchte. Die einfachste und gesellschaftlich akzeptierteste Form diesen Zustand zu erreichen, ist das Konsumieren von Alkohol. I don't have a drink problem, I drink, get drunk, fall down, no problem.
Betrunken sein heißt, aus dem Gleichgewicht zu sein, die Kontrolle über sich, den Raum und die Zeit zu lockern. Dieser domestizierten Form des Rausches stellt Jonathan Monk in seiner Arbeit Ocean Wave das emphatische künstlerische Selbstverständnis Bas Jan Aders entgegen. In der Absicht einen neuen Werbeclip für Beck´s Bier zu drehen, engagierte Monk einen Thailänder und einen Deutschen als Locationscouts. In Anlehnung an Bas Jan Aders Arbeit In the search of the Miraculous, die den Künstler im nächtlichen Los Angeles auf der Suche nach dem Meer zeigt, schickte Monk seine beiden Mitarbeiter in Bremen und Bremerhaven auf die Suche nach dem idealen Ort für einen Beck´s-Clip. Von den auf diesem Weg entstandenen Fotos ausgehend, schuf Monk fünf 16mm Filme. Anstelle exotischer Fremde und der Grenzenlosigkeit der Meere vor Thailand, mit denen der Brauerei-Konzern üblicherweise in seiner Werbung lockt, wählte er alltägliche Orte in Bremen. Das einzig Exotische der 16mm Filme liegt in der Drehung der Projektion um 180°, das einzig Fremde, Irritierende in der leichten Unschärfe der 180 Dias. Ganz unmerklich lässt Monk die Wahrnehmung aus dem Gleichgewicht geraten. Dem weiten Meer wird Bremen gegenübergestellt, dem domestizierten Rausch des Biertrinkens die künstlerische Haltung von Bas Jan Aders.
Das romantisch-emphatische Bild des Künstlers und das Klischee vom verrückten Künstler, der bis zum Letzten geht, hat einen tragisch-absurden Höhepunkt im Tode von Bas Jan Ader gefunden. 1975 brach der holländische Künstler für den zweiten Teil seiner Arbeit In the search of the Miraculous auf, um in seinem kleinen Segelboot "Ocean Wave" von der Ostküste der USA nach England zu segeln... und ward seitdem nie mehr gesehen.
Die Ernsthaftigkeit und das Pathos mit dem Bas Jan Ader das heroische, selbstzerstörische Bild des Künstlers zitiert, lässt ganz bewußt die Grenze zur Parodie verschwinden. Auch Monk vermischt Ernst und Komik, konzeptuelles und assoziatives Vorgehen, stellt Bezüge her und parodiert gleichzeitig die obskurantistische Suche nach Zusammenhängen und Verweisen … didn´t Bas Jan Ader drink Heineken?
Die Inszenierung von Monks Beck´s Clip für Bremen ist erst dann vollendet, wenn live auf einem Klavier ununterbrochen "Perfect Day" von Lou Reed gespielt wird und die Ausstellungsbesucher sich Bier trinkend im Raum verteilen. Die projizierten menschenleeren Stadtansichten von Bremen werden so vervollständigt. Somit kann die Ausstellung auch als ironische, komische Replik auf das Konzept des Happenings verstanden werden.
Monk macht den Mythos vom verschwindenden Künstler zu seinem Arbeitsprinzip, in dem er Teile des künstlerischen Schaffensprozesses delegiert und vom Betrachter die Bereitschaft fordert, das Werk assoziativ und kreativ weiterzudenken. So wie er sich nicht selbst auf die Suche nach Locations begab, beauftragte Monk für das im Zusammenhang des Bremer Projekts entstandene Künstlerbuch die holländischen (!) Designer Maureen Mooren und Daniel van der Velden damit, nach ihren Vorstellungen aus den Photos von Bremen und Bremerhaven eine Print-Kampagne für Beck´s zu gestalten.
Der Betrachter ist aufgefordert, die vielschichtigen Verstrickungen, Verweise, Wirkungsgeschichten und Mythen wahrzunehmen, den Ernst und das Komische der Bezüge, die zugleich Banales und Elementares berühren, zu sehen und die Arbeit für sich zu vollenden. Prost!


Pressefotos

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Pressestimmen

  • Aus dem Gleichgewicht //
    Ocean Wave // Jonathan Monk hat's im Künstlerhaus Bremen mit Beck's und Bas Jan Ader.
    Syker Kreiszeitung, 22.Januar 2005
  • nur nichts verpassen //
    Jonathan Monk
    Frankfurter Rundschau 18.Dezember 2004
  • Ich trinke //
    Jonathan Monks erste Einzelausstellung in Deutschland: "Ocean wave" im Künstlerhaus Bremen. Mitmachkunst als Spiel menschlicher Sehnsüchte
    Taz, Donnerstag, 16.Dezember 2004
  • Mit einem sinkenden Boot von Wellenberg zu Wellenberg //
    Immer ein neuer Fall: Jonathan Monks "Ocean Wave" erinnert im Künstlerhaus Bremen an den holländischen Künstler Bas Jan Alder
    Weser Kurier, Nr. 292, Samstag, 11. Dezember 2004