Jorge Macchi // 10:51
05. September - 15. November 2009
Eröffnung // Opening: Samstag, 04. September 09, 19:00 Uhr
Begrüßung // Welcoming speech:
Barbara Rosengarth, Vorstand Künstlerhaus Bremen
Einführung // Introduction:
Stefanie Böttcher, Künstlerische Leitung Künstlerhaus Bremen
Öffnungszeiten: Mi - So 14.00 - 19.00 Uhr
Opening hours: Wed - Sun 14.00 - 19.00 hrs
Künstlerhaus Bremen // Am Deich 68/69 // 28199 Bremen
Tel: 0049.(0)421.508 598 // Fax: 0049.(0)421.508 305
Mail: buero@kuenstlerhausbremen.de
- Programm // Programme:
- 08.10.2009, 19:00 // Qué hay? Ausgewählte Positionen zeitgenössischer Kunst aus Argentinien, Vortrag von Kirsten Xani, Kunsthistorikerin
- 05.11.09, 19:00 // Die Rezeption der lateinamerikanischen Kunst in Europa, Vortrag von Michael Nungesser, Kunstwissenschaftler
- Führungen // Guided tours:
- 24.09.2009, 18:00 // 23.10.2009, 18:00
-
Jorge Macchi // 10:51 // Daumenkino zur Ausstellung, hrsg. von Stefanie Böttcher / Künstlerhaus Bremen und Jorge Macchi, 2009 // Daumenkino zur Ausstellung, hrsg. von Stefanie Böttcher / Künstlerhaus Bremen und Jorge Macchi, 2009
126
Die Uhr zeigt 9 Minuten vor 11, es ist 10:51 Uhr. Doch die präzise Zeitangabe trügt, denn dieser kurze Moment wird gedehnt – um Stunden, Tage, Wochen. Jorge Macchi rückt die an die Wand projizierte Uhr nämlich so hoch, dass sie gegen die Raumdecke trifft. Diese wiederum lastet schwer auf den Zeigern und lässt sie immobil in ihrer Position verharren. Ein vergänglicher Augenblick wird endlos gestreckt und damit ebenso die flüchtige Dimension Zeit fixiert, sie wird an ihrem gnadenlosen Fortschreiten gehindert.
Für seine feinsinnigen Eingriffe bedient sich der argentinische Künstler Jorge Macchi unterschiedlicher Medien wie Zeichnung, Malerei, Video oder Plastik. Alltägliche Phänomene übersetzt er dabei unter Berücksichtigung der Größe des Zufalls in seine eigene Formensprache und bildet aus ihnen hochpoetische Darstellungen des Flüchtigen, die ganz wie das Ausgangsmaterial wieder in offenen Strukturen münden.
Anlässlich der Ausstellung Jorge Macchi // 10:51 und Bezug nehmend auf die gleichnamige Arbeit entsteht ein Daumenkino, in dem sich das visuelle Erscheinungsbild der Dimension Zeit graduell auflöst.
Jorge Macchi (*1963) lebt in Buenos Aires. Seine Werke waren weltweit in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Macchi stellte 2005 den argentinischen Beitrag der Biennale di Venezia und wird im Jahr 2010 eine Einzelausstellung im S.M.A.K. in Gent ausrichten.
The clock says 9 minutes to 11, it is 10:51. But this precise time designation is deceptive, for the brief moment is extended – by hours, days, weeks. Jorg Macchi has projected the clock at such a high point on the wall that it almost touches the ceiling. The latter in turn weighs down on the clock’s hands causing them to stick in their position. A transient moment is prolonged infinitely and thus the fleeting dimension of time is fixed; it is prevented from passing, mercilessly. The Argentinean artist Jorge Macchi uses different media such as drawing, painting, video or sculpture for his subtle interventions. He transposes everyday phenomena into his own formal idiom and in doing so takes account of the element of the chance. He creates highly poetic representations of the fleeting, which, like the starting material, flow into new open structures.
On the occasion of the exhibition Jorge Macchi // 10:51 and with reference to the work of the same name, he has produced a flip book in which the visual appearance of the dimension of time gradually dissolves.
Jorge Macchi (*1963) lives in Buenos Aires. His works have been shown in numerous solo and group exhibitions worldwide. In 2005 Macchi provided the Argentinean contribution to the Venice Biennale and in 2010he will have a solo exhibition at S.M.A.K. in Gent.
Qué hay?
Ausgewählte Positionen zeitgenössischer Kunst aus Argentinien
Vortrag von Kirsten Xani, Kunsthistorikerin
Donnerstag, den 8. Oktober 09, 19:00 Uhr
Kunst aus Argentinien ist, wie die Kunst aus Lateinamerika insgesamt, keine homogene Einheit. Um einen Eindruck ihrer Vielfältigkeit und Pluralität zu vermitteln, werden unterschiedliche künstlerische Positionen vorgestellt, z.B. Nicola Costantino, León Ferrari, Víctor Grippo, Guillermo Kuitca, Fabian Marcaccio und Liliana Porter. Der Vielgestalt und Unterschiedlichkeit der künstlerischen Positionen, sowohl in der Wahl der Mittel und Medien als auch in Bezug auf Themen und Strategien werden fokussiert.
Der Vortrag gibt einen Einblick in die Gegenwartskunst aus Argentinien. Er knüpft an den international bedeutsamen Beitrag argentinischer und uruguayischer Künstler zu einem künstlerischen Schaffen auf konstruktiver Grundlage im 20. Jahrhundert an und befragt u. a. die Rolle spezieller Kontexte der Kunst aus Argentinien.
Kirsten Xani
Kirsten Xani studierte Kunstgeschichte und Pädagogik in Bochum und Wien. Sie arbeitet freiberuflich als Ausstellungskuratorin, Lektorin und Kunstwissenschaftlerin für verschiedene Museen und Sammlungen, z.B. Daros-Latinamerica in Zürich oder Museum am Ostwall, Dortmund. Arbeits- und Forschungsgebiete sind die Kunst der Gegenwart in all ihren Disziplinen, Prozessen und Erscheinungsformen mit dem Schwerpunkt Kunst aus Lateinamerika.
Der Vortrag Qué hay? Ausgewählte Positionen zeitgenössischer Kunst aus Argentinien von Kirsten Xani findet im Rahmen der Ausstellung Jorge Macchi // 10:51 statt.
Die Rezeption der lateinamerikanischen Kunst in Europa
Vortrag von Michael Nungesser, Kunstwissenschaftler
Donnerstag, den 5. November 09, 19:00 Uhr
Moderne Kunst wird meist mit Kunst aus Europa und den USA gleichgesetzt. Doch schon seit der Konquista entwickelt sich in Lateinamerika eine eigenständige Kunst, die spätestens mit der mexikanischen Wandmalerei seit den 1920er Jahren auch unabhängige Wege geht. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfährt das Kunstleben in Lateinamerika eine ständige Weiterentwicklung, die in den einzelnen Ländern zwar unterschiedlich ausgeprägt ist, aber durch Biennalen und Museen gemeinsame Orte der Präsentation findet. Die Rezeption der Kunst aus Lateinamerika wird in Europa lange Zeit durch präkolumbische Kunst und Volkskunst in den Hintergrund gedrängt oder beschränkt sich auf einzelne Künstler wie Wifredo Lam, Roberto Matta und Frida Kahlo. Erst als 1992 die Rückbesinnung auf 500 Jahre Entdeckung und Eroberung Amerikas stattfindet, rückt auch die Moderne zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die 2010/2011 in Europa vorgesehenen Veranstaltungen zur Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeit zahlreicher Staaten Lateinamerikas wird erneut auch deren künstlerisches Potential vor Augen führen.
Michael Nungesser
Michael Nungesser studierte Kunstgeschichte in Frankfurt und Berlin, wo er seit 1970 lebt. Er ist als Kritiker, Kurator und Publizist tätig mit den Schwerpunkten Kunst aus Spanien und Lateinamerika sowie Kunst im öffentlichen Raum. Er verfasst Beiträge für Kunstforum International, hat zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. über mexikanische Wandmalerei und spanischen Realismus, ist freier Mitarbeiter für das Allgemeine Künstlerlexikon und freier Kurator.
Der Vortrag Die Rezeption der lateinamerikanischen Kunst in Europa von Michael Nungesser findet im Rahmen der Ausstellung Jorge Macchi // 10:51 statt.
Die Ausstellung wird gefördert von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung, dem ifa – Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart und der Waldemar Koch Stiftung.
![]()
![]()
Herzlichen Dank an Ludwig von Kapff GmbH, Weinimporteur seit 1692, Bremen.



