Jorge Macchi // 10:51
Pressemeldung
Jorge Macchi
10:51
5. September – 15. November 09
Eröffnung: Freitag, 4. September um 19:00 Uhr
Die Alltagsobjekte, auf die sich Jorge Macchis kritischer und aufmerksamer Blick richtet, werden nicht nur ihrem Kontext, sondern auch dem natürlichen Kreislauf des Entstehens und Vergehens entrissen und existieren in künstlerisch aufbereiteter, entfremdeter Form weiter. Die Arbeiten des argentinischen Künstlers sind poetische Transformationen, die ein Medium in ein anderes überführen und ästhetische Systeme mit vom Zufall geschaffenen Formen und Strukturen herstellen. Jorge Macchi geht hierfür von Alltagsphänomenen und Gegenständen aus, die er künstlerisch umgestaltet. Er sammelt und bearbeitet Dinge unterschiedlichster Materialität, Form und Funktion. Neben gewöhnlichen, unscheinbaren Materialien wie Glas und Papier geraten dabei auch immer wieder schwer greifbare Phänomene, wie etwa die Zeit, ihr Verstreichen und deren Messung, ins Visier des Künstlers.
Das Material Papier steht im Mittelpunkt der Arbeit Shy. Verschiedenformatige Blätter hängen mit ihrer bedruckten Seite an der Wand und übertragen den Linienverlauf auf selbige. Wagt der Betrachter es, hinter die einzelnen Blätter zu schauen, so sieht er, dass sich die formale Gestaltung eines jeden Blattes auf die Wand übertragen hat. Die Linien und Striche, deren eigentlicher Träger das Blatt war, scheinen einen Akt des Loslösens vollzogen, sich emanzipiert zu haben.
In Korrespondenz zu der Fensterfront des Ausstellungsraumes im Künstlerhaus Bremen sind bei Souvenir (2009) 48 sonnengelbe Pappschachteln auf dem Boden angeordnet. Diese beziehen sich in ihrer Größe auf die Fensterscheiben, sind jedoch rhombisch geformt und bilden so die verzerrte Fläche des einfallenden Sonnenlichtes ab. Die Sonnenstrahlen werden folglich geradezu in den Schachteln konserviert. Das flüchtige Element, wird eingefangen und erinnert nur noch in Form und Farbe des Behälters an seine ursprüngliche Gestalt.
My Wave (2009) besteht aus einer blaugrauen Farbfläche, die der Künstler mittels eines Pinsels erzeugt hat. Parallel zur Wand trug er die Farbe ungleichmäßig, mit deutlich sichtbarem Strich auf, so dass die Kante der Farbschicht analog zum Boden verläuft. Dies setzte sich solange fort, bis Jorge Macchi auf einen im Raum stehenden Stuhl traf, ihn zwangsläufig betrat und die bis dahin regelmäßige Farbfläche zu einer Welle ausufern ließ.
Den Titel 10:51 tragen zwei in der Ausstellung gezeigte Arbeiten, die eng miteinander verbunden sind. Wird bei der Projektion die Zeit an ihrem kontinuierlichen Fortschreiten gehindert, da die Zeiger der Wanduhr auf die Raumdecke treffen, verschwindet in dem gleichnamigen Daumenkino die digitale Anzeige der Uhrzeit, indem die trennenden Punkte zwischen Stunden und Minuten immer größer werden bis die Ziffern sie geradezu verschluckt haben.
Bei der Ausstellung im Künstlerhaus Bremen handelt es sich um die erste institutionelle Solo-Schau des argentinischen Künstlers im deutschsprachigen Raum. Jorge Macchis Werk zeigt sich auch in dieser Ausstellung in seiner Vielgestaltigkeit. Unterschiedlichste Medien kommen zum Einsatz, verquicken die Gattungen Film, Zeichnung/Malerei und plastisch-installative Objekte miteinander und verbinden sich schließlich sämtlich auf konzeptioneller Ebene.
Anlässlich der Ausstellung Jorge Macchi // 10:51 und Bezug nehmend auf die gleichnamige Arbeit entsteht ein Daumenkino, in dem sich das visuelle Erscheinungsbild der Dimension Zeit graduell auflöst.
Jorge Macchi (*1963) lebt in Buenos Aires. Er war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen, stellte 2005 den argentinischen Beitrag der Biennale di Venezia und wird im Jahr 2010 eine Einzelausstellung im S.M.A.K. in Gent ausrichten.
Die Ausstellung wird gefördert von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung, dem ifa - Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart und der Waldemar Koch Stiftung.
Pressefotos
Pressestimmen
- Sonnenlicht in Schachteln //
Kreiszeitung Syker Zeitung · Nr. 211 · Donnerstag, den 10. September 2009 - Der zweite Blick ist entscheidend //
Weserkurier · Nr. 235 · Mittwoch, den 07. Oktober 2009
Fotografie von Jens Weyers



