Künstlerhaus Bremen

Kateřina Šedá // It's Too Late In The Day


Eröffnung: 11. März 2011, 19:30 Uhr
12. März - 08. Mai 2011

Begrüßung // Welcoming speech:
Waltraut Steimke, Geschäftsführung
Künstlerhaus Bremen
Einführung // Introduction:
Stefanie Böttcher, Künstlerische Leitung
Künstlerhaus Bremen

Öffnungszeiten: Mi - So 14.00 - 19.00 Uhr
Opening hours: Wed - Sun 14.00 - 19.00 hrs

Künstlerhaus Bremen // Am Deich 68/69 // 28199 Bremen 
Tel: 0049.(0)421.508 598 // Fax: 0049.(0)421.508 305
Mail: buero@kuenstlerhausbremen.de 
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Programm // Programme:
14.03.2011, 0:05 // Deutschlandradio Kultur // Furt Dokola - In einem fort // O-Ton-Hörspiel von Kateřina Šedá und Rolf Simmen // Produktion: Deutschlandradio Kultur & WDR 2009 // Im Rahmen von rádio d-cz, ein Projekt von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes 
22.03.2011, 19:00 // Hausbesuch #11 // Führung durch die Ausstellung und Ateliers von Marina Schulze und Mia Unverzagt
13.04.2011, 19:00 // Lecture von Kateřina Šedá
28.04.2011, 19:00 // Archeology, Social Action, Beautiful Forms and others. Report from the former Eastern Block reflecting in its own Transformation // Vortrag von Vít Havránek, Direktor tranzit.cz/Co-Kurator der Manifesta 8
Führungen // Guided tours:
31.03.2011, 19:00

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Nošovice befindet sich in der Tschechischen Republik, 7 km von Frýdek-Místek entfernt und hat etwa 960 Einwohner. Der Ort selbst ist nicht besonders hübsch, um ihn herum verläuft eine viel befahrene Autobahn. Doch liegt er in einer außerordentlich idyllischen Umgebung, inmitten von Feldern, Wäldern und am Fuße der Beskiden. In den letzten Jahren schoss in eben dieser schönen Landschaft eine riesige Fabrikanlage des Automobil Herstellers Hyundai aus dem Boden. Aufgrund der Unfähigkeit der lokalen Bevölkerung, sich gegen die Errichtung des Werkes zu wehren, und deren Gleichgültigkeit spalteten sich die Anwohner buchstäblich in zwei Parteien. Viele Menschen zogen fort und der Großteil der Zurückgebliebenen sprach seitdem nicht mehr miteinander. Die mitten in den Wiesen stehende Hyundai-Niederlassung wurde zu einem innerstädtischen Hindernis. Die ehemaligen Verbindungswege verwandelten sich in Sackgassen. Eine hohe Mauer wurde um das komplette Firmengelände herum errichtet. Wenn heute jemand seinen Nachbarn besuchen möchte, kostet ihn der ursprünglich 10-minütige Weg mindestens eine halbe Stunde. Ich entschied mich also dafür, nach einer Möglichkeit zu suchen, die Bewohner wieder einander anzunähern und dabei den geschlossenen Kreislauf zu öffnen.—Kateřina Šedá

Die tschechische Künstlerin Kateřina Šedá (*1977)lebt in Brno-Líšeň. Ihre Arbeiten wurden u. a. auf der documenta 12, der 5. Berlin Biennale und Manifesta 7 gezeigt. Sie richtet in diesem Jahr Einzelausstellungen in der Millennium Gallery Sheffield und der Tate Modern aus. It’s Too Late In The Day ist Kateřina Šedás erste institutionelle Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Künstlerpublikation.

 


Nošovice is located 7 km from Frýdek-Místek in the Czech Republic and has approximately 960 inhabitants. The village itself is not so picturesque: the houses are surrounded by a busy motorway, but all around lie fields, the Beskids and forests. Over the past few years the massive Hyundai automobile plant has sprung up in these beautiful fields. The indifference and incompetence of the local townspeople to resist the plant’s construction caused the town to socially disintegrate – numerous people moved away and many of those who stayed are not on speaking terms with each other. The plant standing in the middle of a field definitively divided the town into two parts; the original joining paths were transformed into dead ends. A high wall was built around the automobile plant. If you wanted to visit your neighbour’s house – a trip that used to take 10 minutes – you’d have to set aside at least half an hour. I decided that my job was to come up with a way to bring the townspeople together again and thereby find a way out of the circle.—Kateřina Šedá

Czech artist Kateřina Šedá (*1977) lives in Brno-Líšeň. She exhibited amongst others at documenta 12, 5th Berlin Biennale and Manifesta 7. In 2011 she will hold solo-shows at Millennium Gallery Sheffield and Tate Modern. It’s Too Late In The Day is her first institutional solo-show in the German-speaking countries. On the occasion of the exhibition an artist book will be published.


Kateřina Šedá // I Am Trying To Steal It Back // Künstlerbuch zur Ausstellung It's Too Late In The Day, hrsg. v. Stefanie Böttcher, Künstlerhaus Bremen & Kateřina Šedá, Revolver Publications, Berlin 2011


 

Marina Schulze // Mia UnverzagtHausbesuch #11

Hausbesuch #11

Führung durch die aktuelle Ausstellung Kateřina Šedá It’s Too Late In The Day im Künstlerhaus Bremen.
Besuch der Ateliers der Künstlerinnen Marina Schulze und Mia Unverzagt.

Stefanie Böttcher und Waltraut Steimke stellen Ihnen die Positionen vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 Lecture von Kateřina Šedá
Mittwoch, 13. April 2011, 19:00 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung It's Too Late In The Day von Kateřina Šedá laden wir Sie herzlich zu einer Lecture mit Kateřina Šedá am Mittwoch, den 13.04.2011 um 19:00 Uhr ein. Es findet eine Übersetzung vom Tschechischen ins Deutsche statt.

Kateřina Šedá beobachtet und reflektiert in ihren Arbeiten das alltägliche Leben und macht sichtbar, was oftmals unter Routinen verborgen bleibt. Dies geschieht mittels Zeichnung, Collage, Fotografie oder Video. Im Mittelpunkt eines jeden Projektes steht allerdings die Aktion selbst. So analysiert oder inszeniert die junge tschechische Künstlerin ritualisierte Handlungen und deckt erstarrte Strukturen in sozialen Gefügen auf. Das Motiv der Grenzüberwindung – seien es physische oder psychische Barrieren – taucht dabei immer wieder auf. Indem Kateřina Šedá ungeschriebene Regeln bewusst macht und Beschränkungen hinterfragt, entwirft sie Alternativen zu Gewohnheiten. Ausgangspunkt ist zumeist ihr unmittelbares Lebensumfeld, wie Freunde und Familie, oder ländliche Gemeinden wie beispielsweise ihr Geburtsort Brno-Líšeň. Das Aufdecken und Aufbrechen verhärteter zwischenmenschlicher Strukturen, gepaart mit dem Willen, die Menschen wieder miteinander in Kontakt zu bringen, machen ihre Interventionen so unmittelbar eindrücklich.

In Rahmen ihrer Ausstellung It’s Too Late In The Day im Künstlerhaus Bremen präsentiert Kateřina Šedá ein Projekt, an dem sie seit einigen Jahren arbeitet. Es umkreist die Gemeinde Nošovice in der Tschechischen Republik und verschränkt, wie frühere Arbeiten, Kunst und Alltagswelt.
Nošovice ist ein kleiner, auf den ersten Blick unspektakulärer Ort. Er liegt allerdings in einer außerordentlich schönen Umgebung, inmitten von Feldern, Wäldern und zu Füßen der Beskiden. Vor wenigen Jahren wurde in dieser Idylle eine große Hyundai-Automobilfabrik errichtet – die erste in ganz Europa. Unfähig sich gegen diese einschneidende Neuerung zu wehren, kapitulierte die Bevölkerung. Viele Menschen zogen fort und die Verbliebenen sprechen seither nicht mehr miteinander.
Neben sozialen Spaltungen gingen mit dem Neubau auch starke Eingriffe in Natur und Infrastruktur einher: das ursprüngliche Straßennetz und alte Verbindungswege wurden gekappt und münden mittlerweile in Sackgassen. Ein hoher Zaun umschließt das Fabrikgelände und schottet es so von der gesamten Umgebung ab. Um Nachbarn zu besuchen, muss man einen großen Kreis um das Hyundai-Grundstück laufen, anstatt wie früher einen direkten Weg einschlagen zu können. Die große Fabrik nimmt Einfluss auf die gesamte Ortschaft. Sie ist ein Fremdkörper, der sich auf das soziale und topografische Gefüge der Ortschaft und deren Umgebung auswirkt.
Ausgehend von diesen Beobachtungen arbeitet Kateřina Šedá seit einiger Zeit an Wegen, die aus dem geschlossenen Kreislauf herausführen. Sie setzt an den zwischenmenschlichen und architektonischen Hindernissen an, um sie auf unterschiedliche – visuelle und performative – Weise zu überwinden und die Menschen wieder miteinander in Kontakt zu bringen. Die Ausstellung It’s Too Late In The Day bildet einen status quo ihrer Arbeit an diesem Langzeitprojekt. Sie verbindet Erwägungen und Ergebnisse, die im Laufe ihrer Auseinandersetzung entstanden, mit den nächsten, neuen Schritten.

Kateřina Šedá, geb. 1977, lebt in Brno-Líšeň. Sie stellte vielfach international aus, u.a. bei der documenta 12, der 5. Berlin Biennale sowie Manifesta 7 und war für den Future Generation Art Prize des Pinchuk Art Centers Kiew nominiert. In 2011 richtet sie Einzelausstellungen in der Millenium Gallery Sheffield und der Tate Modern aus. It’s Too Late In The Day im Künstlerhaus Bremen ist Kateřina Šedás erste institutionelle Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Künstlerpublikation.


 Vortrag von Vít Havránek 

Archeology, Social Action, Beautiful Forms And Others. Report From The Former Eastern Block Reflecting In Its Own Transformation
Donnerstag, 28. April 2011, 19:00 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung It's Too Late In The Day von Kateřina Šedá laden wir Sie herzlich zu einem Vortrag von Vít Havránek, Direktor tranzit.cz/Co-Kurator der Manifesta 8 am Donnerstag, den 28.04.2011 um 19:00 Uhr ein.

Vít Havráneks Vortrag Archeology, Social Action, Beautiful Forms And Others. Report From The Former Eastern Block Reflecting In Its Own Transformation geht dem kulturellen Prozess der Selbstidentifikation des post-kommunistischen Subjekts nach. Während der 1970er und 1980er Jahre formierte sich in den ehemaligen Ostblockstaaten der Widerstand gegen das totalitäre System. Dies passierte vor allem in Untergrundkreisen, die aus intellektuellen, kooperativ vorgehenden Personen bestanden. Häufig trafen dabei sehr verschiedene, widersprüchliche und hybride Meinungen von christlichen Humanisten, ökonomischen Befürwortern des freien Marktes, liberalen Demokraten bis hin zu „reformierten“ Kommunisten aufeinander. Die friedliche Revolution von 1989 hatte das Ausmaß eines Massenevents, das eine kollektive Stimmung der Einigkeit auslöste, wobei diese Einigkeit hauptsächlich auf der negativen Beziehung zum „alten Regime“ beruhte. Der Prozess der kollektiven und subjektiven Differenzierung fand erst relativ spät statt (nach 2000), in einer Situation als politische und ökonomische Veränderungen bereits stattgefunden hatten. Das post-kommunistische Subjekt – das markanteste Beispiel könnte ein Künstler sein – ist zwischen zwei Welten hin- und hergerissen, zwischen zwei verschiedenen Historien oder zwei verschiedenen Traditionen. Er pendelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Sozialismus und Kapitalismus, zwischen Ost und West und wird gedrängt, eine der vielen, manchmal widersprüchlichen subjektiven Positionen anzunehmen.

Vít Havránek ist ein Kunsttheoretiker und Ausstellungsorganisator aus Prag. Seit 2002 arbeitet er als Direktor der Initiative für aktuelle Kunst tranzit.cz und gründete 2007 tranzitdiplay mit. Er war Mitglied von tranzit.org, einem der drei Kuratorenteams der Manifesta 8 in Murcia (2010).
Er kuratierte und co-kuratierte Ausstellungen wie Monument to Transformation im Centro Monthermoso Vitoria, Spain, tranzit – Auditorium, Stage, Backstage im Frankfurter Kunstverein und Definitions of Everyday Prague Biennale 2. Er ist Mit-Herausgeber von jrp | ringier art publisher und war an zahlreichen Katalogpublikationen beteiligt.

 


Die Ausstellung und der Katalog werden gefördert von



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