Matthias Weischer // Simultan
Pressemeldung
Matthias Weischer
Simultan
11. September - 17. Oktober 2004
Eröffnung am Freitag, den 10. September um 19.30 Uhr
Jeder Mensch trägt ein Zimmer in sich
Franz Kafka
Das Interieur ist ein zentrales Thema von Matthias Weischers Malerei. In der Kunst der vergangenen Jahrzehnte war das Sujet des Interieurs vor allen Dingen in der Installationskunst, in den Werken Ilya Kabakovs, Gregor Schneiders und Christoph Büchels von Bedeutung. In Anknüpfung an klassische malerische Traditionen hat Weischer das Interieur als Thema der Malerei neu entdeckt.
Klassische Interieurs zeigen einen von der Außenwelt, vom öffentlichen Leben in Bars und Parks deutlich abgegrenzten Raum des Privaten und der Intimität. Die Sehnsucht in fremde Zimmer zu schauen, die Neugier am privaten Leben Fremder teilzunehmen, durch die Wände der Häuser zu blicken, ist ein altbekanntes Bedürfnis, dass mit Reality-Shows à la Big Brother in der Gegenwart ganz neuartige Blüten treibt.
Weischers Innenansichten bieten jedoch keine intimen Einblicke, sie offenbaren keine fremden Innenwelten, lassen uns nicht zum stillen Zeugen eines verborgenen Lebens werden. Die Einrichtung und die in den gezeigten Räumen zu sehenden Gegenstände gleichen stereotypen Requisiten und wirken wie Platzhalter. Im Zeitalter von Ikea scheint es kaum verwunderlich, dass Möbel und Gegenstände kaum Rückschluss auf die Individualität der Bewohner erlauben. Der Betrachter wird auf sich selbst zurückgeworfen. Er bekommt nichts geboten, was ihn von seinem eigenen Dasein ablenken könnte, ihn sein eigenes Leben vergessen lassen könnte. Nichts im Raum bietet Orientierung, nichts bietet Halt. Auch scheint eine äußere Welt nicht zu existieren. Keine Fenster, keine Türen können den Betrachter aus seiner Isolation, aus seinem Für-sich-Sein befreien.
Weischers Zimmeransichten lassen ihr Sujet jedoch immer auch als ein klassisches Thema der Malerei erkennen, das – in der Gattungstradition der Interieurmalerei stehend – die Bedingungen des eigenen Mediums thematisiert. Inmitten der erstarrten Gegenständlichkeit seiner Interieurs drängen pure Gesten der Malerei den Blick des Betrachters an die Oberfläche, lassen die Komposition als abstrakte Malerei wahrnehmen. Der pastose Farbauftrag und die vielfachen Farbschichten lassen die Malerei über die Leinwand hinausragen. Die Materialität der Farbe sprengt den durch die Leinwand vorgegebenen Rahmen. Die dicken pastosen Farbränder lassen die Arbeiten zu taktilen, skulpturalen Gegenständen werden und verleihen den Gemälden eine objekthafte Dimension.
Matthias Weischer, geboren 1973 in Elte (Westfalen), studierte Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2001- 2002 erhielt er das Stipendium "Junge Kunst in Essen" im Kunsthaus Essen. Er ist Preisträger der Rolex Mentor und Meisterschüler Initiative 2004 – mit David Hockney als Mentor. Simultan ist Weischers erste institutionelle Einzelausstellung
Pressefotos
Pressestimmen
- Matthias Weischer //
Artist Kunstmagazin 4 / 2004 - o.T. 144 x 105 cm. 2003 //
Matthias Weischer malt neo-realistische Interieurs
taz bremen. Donnerstag, 30. September 2004 - Mit Dekor // Matthias Weischer in Bremen //
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. September 2004 - Geordnete Unordung //
Pyramiden und Palmen von Plattenbauten: Matthias Weischer mal Sinnbilder zum zertückelten Lebensgefühl.
Frankfurter Rundschau, 02. September 2004 - Zimmer mit Einsicht //
Künstlerhaus Bremen zeigt bilder Matthias Weischer.
Weser Kurier, 15.09.2004 - Top 15 //
Was man sich in den nächsten Wochen unbedingt anschauen sollte: Die Monopol-Liste der fünfzehn interessantesten Ausstellungen im In- und Ausland.
monopol. Magazin für Kunst und Leben. Nr. 3, August / September 2004





