Tim Etchells // Fog Game
Pressemeldung
Einladung zum gemeinsamen Pressegespräch
Freitag, 3. September 2010 um 11 Uhr, Künstlerhaus Bremen
Tim Etchells
Fog Game
Ausstellung, 4. September - 21. November 2010 Künstlerhaus Bremen
Eröffnung: Freitag, 3. September 2010, 19:30 Uhr
23. September, 19:00 Uhr: Performance Lecture mit Terry O'Connor (Forced Entertainment), Konzept von Terry O'Connor und Tim Etchells
19. November, 19:00 Uhr: Ausstellungsgespräch mit Tim Etchells
Forced Entertainment
Festival vom 21. - 22. September 2010, Schwankhalle Bremen
21. September, 14:00 - 17:00 Uhr: Workshop mit Richard Lowdon (Forced Entertainment)
21. September, 20:00 Uhr: Spectacular, Performance, 75 min., anschl. Publikumsgespräch
22. September, 20:00 Uhr: Void Story, Performance, 80 min., anschl. Publikumsgespräch
Eine Kooperation zwischen Künstlerhaus Bremen und Schwankhalle Bremen
Die Verbindung, die diese Kooperation zwischen einem Ausstellungshaus und einem Schauspielhaus ermöglicht, liegt in der Person Tim Etchells. Er ist bildender Künstler, wird daher erstmals im deutschsprachigen Raum mit einer Einzelausstellung im Künstlerhaus Bremen zu sehen sein und zugleich künstlerischer Leiter der legendären Performance-Gruppe Forced Entertainment, was Anlass zu einem Bremer Debüt der Sheffielder Performer in Form von Gastspielen, Publikumsgesprächen und einem Workshop in der Schwankhalle Bremen gibt. Die Ausstellung wird vier neue Werke vereinen und für die Auftritte in der Schwankhalle wurden zwei sehr unterschiedlich gelagerte Stücke von Forced Entertainment ausgewählt. Eine Performance Lecture mit Terry O'Connor, die im Künstlerhaus Bremen stattfinden wird, zeigt die Zusammenhänge zwischen Etchells performativer und visueller Kunstpraxis. Sie bildet den Gegenstand eines schriftlichen Gedankenaustauschs zwischen Etchells und seiner Ensemblekollegin Terry O' Connor. Gen Ende der Ausstellungslaufzeit wird Tim Etchells schließlich ein Ausstellungsgespräch im Künstlerhaus Bremen abhalten. Das Kooperationsprojekt bietet somit einen tiefen Einblick in Tim Etchells aktuelles Schaffen und in die Zusammenhänge seiner visuellen wie auch performativen künstlerischen Praxis.
Ausstellung
Tim Etchells
Fog Game
4. September - 21. November 2010, Eröffnung: Freitag, 3. September 2010, 19:30 Uhr
Tim Etchells beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Sprache. Einzelne Wörter, ganze Texte oder gesprochene Sprache sind sein Arbeitsmaterial. Der britische Künstler betrachtet Sprache als ein System aus unendlich vielen Variationsmöglichkeiten und spielt mit ihrer Vielseitigkeit und Austauschbarkeit. Für die Ausstellung im Künstlerhaus Bremen hat der Künstler vier neue, z.T. sprachbasierte Werke entwickelt. Sie widmen sich dem Thema Zukunft und jedes der ausgestellten Werke spiegelt das menschliche Verlangen wider, das Kommende zu kennen und sich auf das, was es bringt, vorzubereiten.
Die Wandarbeit aus Neonbuchstaben Will Be konfrontiert den Betrachter beim Eintritt in den Ausstellungsraum zunächst mit einem Schriftbild aus rätselhaft angeordneten Buchstaben. Wendet er sich aber um, kann er den Zusammenhang und Inhalt des Werkes erschließen. Der Schriftzug the future will be confusing wird getreu seiner Aussage auf einer Wand zerlegt und in ein Chaos überführt und gegenüber wieder sinnstiftend zusammengeführt. Tim Etchells erschafft auf diese Weise zwei völlig unterschiedliche Versionen des gleichen Textes und der Realität, ein Vorher und ein Nachher, die miteinander korrespondieren.
Der Blick in die Zukunft beschäftigt den Künstler kontinuierlich. Indem er die strukturelle Ordnung dekonstruiert und in Chaos überführt, streift er weit verbreitete Zukunftsängste der heutigen Gesellschaft. Die allgemeine Unsicherheit der Menschen, die Angst vor Terror und Katastrophen tauchen in seinen Geschichten, Textarbeiten und Videos auf. Er entwirft utopische Szenarien und Science-Fiction-Welten, berichtet von Gangstern und brutalen Kindern, einer düsteren, kalten Zukunft die uns erwartet. Dennoch schwingt ein Hauch von Leichtigkeit mit, wenn der Künstler z.B. in Red Sky At Night Buchstaben, die das Wort „HOPE“ ergeben, an mit Helium gefüllten Ballons durch die Galerie schweben lässt. In schicksalhafter Ironie kann die Hoffnung jedoch weder die Grenzen des Ausstellungsraumes überwinden, noch sich dauerhaft in der Luft halten und sinkt langsam ab.
Fokus in seinem künstlerischen Schaffen legt Etchells auf alltägliche Ereignisse. Während eines Aufenthaltes in Phnom Penh (Kambodscha) dokumentierte er an verschiedenen Orten zurückgelassene und von ihm gefundene Spielkarten fotografisch. Jede Karte weist individuelle Spuren auf und trägt so Zeichen ihrer eigenen, verborgenen Geschichte an sich. Auch hier schwingen Bezüge zum Zukünftigen mit, indem er an Redewendungen wie „it’s in the cards“ oder „playing with your own future“ anknüpft. Die enge Verbindung zwischen nahenden Ereignissen und Spielkarten, die Versuche das Kommende mit Hilfe geheimnisträchtiger Medien vorher zu sagen sowie die Sicht auf das Leben als eine Art Glücksspiel, offenbaren sich in den Redensarten und der Fotoarbeit Discarded.
Der Ausstellungstitel ist von der gleichnamigen Videoarbeit Fog Game übernommen. Der Blick wird auf eine ruhige, neblige Szenerie geführt, in der Menschen Ball spielen. Mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen sie sich durch die Nebelschwaden und jagen einem unsichtbaren Ball hinterher. Einmal mehr drückt sich die Faszination des Künstlers an unklaren Situationen und an dem Schicksal der Menschen, im Trüben fischen zu müssen, aus.
Tim Etchells (*1962, lebt in Sheffield) arbeitet als bildender Künstler, Performer, Schriftsteller und Theaterregisseur. Er ist Mitbegründer und künstlerischer Leiter von Forced Entertainment, hatte Einzelausstellungen bei Gasworks und Butcher’s und zeigte seine Arbeiten bei internationalen Ausstellungen wie der Art Sheffield, der Manifesta 7 sowie im September zusammen mit Vlatka Horvat bei der Aichi Triennale 2010. Fog Game ist Tim Etchells erste Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum.
Festival
Forced Entertainment
Festival vom 21. - 22. September 2010, Schwankhalle Bremen
Bekannt geworden ist Tim Etchells neben seinem bildnerischen Werk durch seine Arbeit als Regisseur und Autor von Forced Entertainment, einem Performance Ensemble interdisziplinär arbeitender Künstler aus Sheffield. Er war 1984 Mitbegründer der Gruppe, welche mittlerweile als eine der einflussreichsten des experimentellen Theaters in Europa gilt. Auch die jüngere Performance Szene in Deutschland (SheShePop, Rimini Protokoll u.v.m.) wurde maßgeblich von den Performance- und Theaterprojekten Forced Entertainments beeinflusst. Das Ensemble ist regelmäßig zu bedeutenden Festivals in Deutschland und an großen Häusern wie Kampnagel, Mousonturm oder der Berliner Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz zu Gast.
Forced Entertainment besteht im Kern aus sechs Künstlern: Robin Arthur (Performance), Richard Lowdon (Design/Performance), Claire Marshall (Performance), Cathy Naden (Performance), Terry O'Connor (Performance) und Tim Etchells (Künstlerischer Leiter). Ausgehend von einem Textfragment, einer Filmszene, einem Kostüm oder was immer dem Ensemble auffällt, entwickelt die Gruppe in Gesprächen, aufgezeichneten Diskussionen und Experimenten spielerisch Räume, Situationen und Themen.
Das Forced Entertainment Festival in der Schwankhalle Bremen präsentiert zwei Stücke der Gruppe, Void Story und Spectacular. Neben einem Workshop finden im Anschluss an die Aufführungen öffentliche Publikumsgespräche statt.
In Spectacular betritt ein einzelner Performer die Bühne. Er erklärt dem Publikum, dass das Stück, das heute Abend zu sehen ist, ein wenig anders als erwartet verlaufen wird. Es herrscht eine ungewöhnliche Atmosphäre, der Aufgang des Performers aus dem Off und das Licht sind falsch, Bühnenteile fehlen und einige Darsteller ebenfalls. Der Ton ist total daneben. Die Dinge fallen irgendwie auseinander – oder vielleicht fügen sie sich gerade jetzt zusammen. Die Reaktion des Publikums, sagt der Protagonist, sei nicht die erwartete, nicht, was er gewöhnt sei. Wahrscheinlich hätte die Tatsache, dass er als Skelett kostümiert ist, etwas damit zu tun. Eindringlich und komisch verwickelt Spectacular das Publikum verführerisch langsam in die Vorstellung eines abhanden gekommenen Stücks. Unser Skelett-Träger nimmt es scheinbar gelassen, reißt Witze, bleibt geschwätzig und liebenswürdig. Aber trotzdem stimmt immer noch etwas nicht. Ein zweiter Performer, der auf die Bühne tritt, verfangen in eine lange, melodramatisch gequälte Sterbeszene, könnte eine Erklärung für die Stimmungsänderung sein.
Spectacular handelt vom Jetzt des performativen Moments, dem schmalen Grat des Gelächters, von Möglichkeit und Erfindung. Es geht um den Tod und das theatrale Spielen des Sterbens, um den befremdlichen Kontakt zweier Performer auf der Bühne und einem Publikum, welches hin und hergerissen ist, zwischen dem, was es sieht und was ihm erzählt wird. Simpel, logisch, absurd, unmöglich und gelegentlich humorvoll ist Force Entertainments provokative und spielerische Arbeit Spectacular aus dem Jahr 2008.
Void Story, Forced Entertainment präsentiert diese ernste und komische Story quasi als ein Hörspiel; die Darsteller sitzen an Tischen und lesen aus dem Skript. Sie arbeiten fast ausschließlich mit ihren Stimmen und stellen die Soundeffekte selbst her – Gewehrschüsse, Regen und schlechte Telefonverbindungen. Gleichzeitig ist die eher karg ausgestattete Bühne dominiert von projizierten Bildern und einem Drehbuch aus Tim Etchells rastlosem Text für eine unmögliche Filmversion.
Die Veranstaltungen werden gefördert von dem Senator für Kultur Bremen, der Waldemar Koch Stiftung, der Sparkasse Bremen sowie dem British Council.
Infos/Kontakt:
www.kuenstlerhausbremen.de, www.timetchells.com / Presse: buero@kuenstlerhausbremen.de
www.schwankhalle.de, www.forcedentertainment.com / Presse: schaefer@schwankhalle.de
Gefördert von der Waldemar Koch Stiftung, der Sparkasse Bremen und dem British Council.
Pressefotos
Pressestimmen
- Fog Game and Forced Entertainment //
BREMER 34. Jargang H4622 (September 2010) - Keine Angst vor Tim Etchells //
die tageszeitung – Ausgabe Nord-HB, Nr. 9284, 36. Woche, 32. Jahrgang - Nebel des Ballsports //
Syker Kreiszeitung, Nr. 210, 9. September 2010 - Der Tod in Perlon-Socken //
www.taz.de/1/nord/artikel/1/der-tod-in-perlon-socken, 22.09.2010 - Programmatische Verwirrung //
Weser Kurier, Nr. 242, 16. Oktober 2010
Ausstellungsansicht Tim Etchells Fog Game, Künstlerhaus Bremen 2010
Ausstellungsansicht Tim Etchells Fog Game, Künstlerhaus Bremen 2010
Will Be, Installationsansicht (2010), 24 Neonbuchstaben, Maße variabel, Künstlerhaus Bremen, Courtesy the artist
Will Be, Installationsansicht (2010), 24 Neonbuchstaben, Maße variabel, Künstlerhaus Bremen, Courtesy the artist
Red Sky At Night (2010), Installationsansicht, Ballons, Pappe, Helium, Maße variabel, Künstlerhaus Bremen, Courtesy the artist
Discarded (2010), 25 Fotografien, kaschiert je 22,7 x 30,4 cm, Künstlerhaus Bremen, Courtesy the artist
Fog Game (2010), Video, 7:37 min, Künstlerhaus Bremen, Courtesy the artist
Fotografie: Tobias Hübel







