Hinrich Sachs – Ernährungsfragen

Das Ausgangskonzept für diese Arbeit bestand darin, mit in Bremen lebenden Afrikanern Kontakt aufzunehmen. Mit Kolli Aballo und Richard Lawson, beide 1992 aus Togo nach Deutschland gekommen, bin ich in einem Supermarkt einkaufen gegangen. Namen und Bezeichnungen der von ihnen ausgewählten Lebensmittel haben wir in ihre Mittersprache, Mina übersetzt. In Handarbeit haben wir gemeinsam die neuen Verpackungen hergestellt, die anschließend in der Galerie im KünstlerHaus gezeigt wurden. (Hinrich Sachs)

 

"[...] Wer die Arbeit von Hinrich Sachs betrachtet hat, wird die Erfahrung alltäglicher Dinge wahrscheinlich nicht abstreiten. Im Hinblick auf die Dinge ließe sich denken, dass diese Arbeit dem scheinbar Profanen, dem Alltäglichen oder Ungeheiligten einen kulturellen Raum gibt, der es in einen kulturellen Wert verwandelt. Im kulturellen Raum entziehen sich die profanen Dinge scheinbar der Kommerzialisierung. Zum alltäglichen Preis ist ab sofort nichts mehr zu haben. Wenn die Dinge in diesem Rahmen als kultureller Wert verstanden werden, dann sind sie nicht zu haben, weil der Verstand zwar erworben wird, aber eben nicht käuflich. [...]

Aus Angst vor der Verunsicherung durch fremde Welten, fremde Kunst, fremde Sprachen und fremde Dinge steuern wir [...] auf eine Risiko-Gesellschaft zu, die, auf die Sicherheit der halben Weltgesellschaft setzend, den kommunikativen Anschluss an das Fremde verliert. Mit der Folge des Erkenntnisverlustes durch mangelnde Erfahrungen von Unterschieden. Wo alles eins ist, kann man, wie bereits vermerkt, beruhigt zu Hause bleiben und die Erfahrung seines eigenen Körpers bzw. der Welt vergessen. Eine Gesellschaft, die von solcher Angst vor dem Fremden geprägt ist, versteht Kulturen, Kunst auch andere Dinge entweder wertend, oder sie versteht offensichtlich überhaupt nicht. Man wird bei der Arbeit von Hinrich Sachs also nicht die Werte und Zeichen Afrikas verstehen, sondern die künstlichen Objekte unserer Gesellschaft erfahren, um im günstigsten Fall sich selbst zu verstehen."

Auszüge aus dem Text Warum die Brote des Bäckers nicht die Gefühle des Bäckers ausdrücken von Andreas Schelske zu der Ausstellung. Der vollständige Text ist im Künstlerhaus Bremen erhältlich.


"Die Produkte"
50 Teile, Bleistift und Aquarell auf Bütten
Formate: zwischen 30 x 19 x 7 cm und 7,5 x 15 x 1 cm

In Zusammenarbeit mit Koffi Aballo und Rochard Lawson, Togo


"Die Leihgeber"
Einfarbiger Offsetdruck auf gelbgrünem Papier
47,9 x 65 cm

in Bremen plakatiert

Januar – Februar 1993

Konzept: Horst Griese