Astrid Nippoldt

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Undeutlich erscheint ein Gesicht für einen kurzen Moment vor der Kamera: ein Hauch und gleißendes Licht. Umgeben von einem dumpfen Rauschen wartet man gespannt auf die Erscheinung hinter dem sich verkleinernden Lichtoval, das einem fremden Sonnensystem gleicht. Das Rauschen ebbt ab, ein rhythmisches Ticken setzt ein. Begleitet von einem spannungsgeladenen, unheilvollen Ton taucht aus der Dunkelheit eine blendende Lichtquelle auf. Nach und nach verschwindet das Licht und eine unwirkliche Szenerie wird sichtbar, erleuchtet durch eine Reihe von Glühbirnen über denen ein bläulicher Schriftzug thront: WORLD. Erst einsetzende Straßengeräusche und sich schnell entfernende Schritte lassen den Betrachter den Weg zurück in seine eigene Welt finden.

Die Ambivalenz von Licht und Dunkelheit, der Gegensatz zwischen "verführerischem Hell" und "schwarzem Nichts", die Irritation unserer alltäglichen Wahrnehmungsgewohnheiten ziehen sich durch das Werk der Künstlerin Astrid Nippoldt (*1973 in Gießen, lebt in Bremen). In ihren Zeichnungen und Videoinstallationen greift sie reale, bekannte Szenen, Orte und Geräusche auf und entführt den Betrachter in ihm scheinbar unbekannte Welten. Die Kombination von ungewöhnlichen Lichtsituationen, fortlaufender Bewegung und darauf abgestimmten Tönen hinterlässt dabei nicht selten eine nur vage Ahnung von Bekanntem und impliziert zugleich stets das intensive Erleben der eigenen Wahrnehmung.

Astrid Nippoldt
Prolog, 2005
Video auf DVD, 60 sek., Farbe, stereo, PAL
12 Exemplare
Hergestellt für das Künstlerhaus Bremen
Preis: 450 €